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In der Untergrundbahn.

24. März 2009 6 Kommentare

Gestern wurde ich zum Ohrenzeugen folgendes kleinen Gesprächs in einer Wiener U-Bahn. Ein junges Paar küsst einander ausgiebig.

Sie: Du weisst ja gar nicht, wie mir das schon abgegangen ist…

Er: Echt?

Sie: Naja, was anderes ist mir noch mehr abgegangen…

Ich schaue schmunzelnd in die Runde aber die Wiener blicken – wie fast üblich in solchen Situationen – alle zu Boden und tun so als hätten sie nichts gehört. Dann weiter:

Sie: Shit Freitag haben wir Prüfung in Politischer Bildung… die FPÖ ist die Freiheitliche Partei Österreichs.

Er: Echt?

Sie: Ja. Solche Sachen müssen wir da lernen! Die ÖVP ist die Österreichische …, die Österreichische … mmh … shit – vergessen.

Er hat keinen Anlass zum Schmunzeln – Prüfungsstoff zu vergessen ist ja schliesslich auch ganz normal, oder etwa nicht?

Und ich? Will da raus. Friedensbrücke. Und denke mir am Nachhauseweg nur noch, dass so betrachtet “freiheitlich” richtig cool und einprägsam klingen muss. Kann man sich ja irgendwie was vorstellen drunter…

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6 Kommentare

  • irgendwie peinlich, für unser Schulsystem.
    wir haben uns in Geschichte und politische Bildung uns sehr wohl auseinandergesetzt.
    eine Freundin von mir mit großer Lernschwäche glaubte, “ÖSterreich ist frei” ist vom Hitler, wie ich ihr sagte, dass das der Figl ist. Sie: a so ein alter – ist doch wurscht. Ich: der war im KZ unterm Hitler und der war österreichischer Bundeskanzler. Sie: was bringt mir das zum Wissen? Ich: Allgemeinbildung – gehört dazu in einer Demokratie. Sie: Ich geh eh nicht wählen, so wie mein Freund und die Leute werden schon das richtige wählen. Ich sagte zunächst nichts da sprachlos. (war insgeheim froh, weil der so FPÖ-freundlich wirkte.
    Gleichgültigkeit ist eins vom schlimmsten. dann kam von mir doch: das glaube ich nicht.
    die gleichgültige Einstellung kann man schwer durch Auswendiglernen ändern sondern durch andere MEthoden.

  • Wie soll man heute politische Bildung mit sinnvollen Stoff befüllen ?
    Was genau ist Allgemeinbildung ? Was sollte Sie beinhalten ? Was nicht ?
    Was ist Demokratie ?

    “Auch wenn ihr die Freiheit habt, eure Herren zu wählen, so schafft man damit die Herren und die Sklaven nicht ab !”

  • @Shaman: Mein Problem damit ist: wenn man alles relativiert, weil nachvollziehbare Aussagen “dagegen” immer gemacht werden können, so wie es mit dem Spruch am Ende mit der Demokratie passiert, dann verwischt man die Grautöne eines subjektiv gefühlten “Besser” und “Schlechter” zugunsten eines Schwarz-Weiss, das es eben so nicht gibt. Weiters: entscheidend ist daher bei jeder Sache, die wir tun, bei jeder Sache, die wir befürworten, ob WIR SELBST glauben, dass sie etwas zum Besseren ändert oder eben nicht. So gesehen ist gerade der Mut zur Subjektivität bei fehlenden “objektiven Massstäben” (ganz richtig: was ist das schon), was den entscheidenden Unterschied macht, oder?

  • Weder hab ich relativiert noch mich gegen irgendetwas ausgesprochen.
    ???

    Ich hab lediglich Fragen gestellt.
    (Würdest Du mich nicht persönlich kennen, würdest Du die Fragen wertfreier verstehen und annehmen können)

    Objektivität und Subjektivität sind für mich Kunstbegriffe, Theoretika.
    Das Einzige was es gibt ist für mich meine persönliche Wahrnehmung = meine Wahrheit
    Was es dann noch gibt sind die millionen anderen persönlichen Wahrnehmungen = auch Wahrheiten
    Und meine persönliche Wahrheit ergibt sich eben aus meinen Wahrnehmungen, meinem Erleben, meiner Art von Verbindung dieser Einflüsse incl. aller mir entgegengebrachten “anderen” Wahrheiten, welche natürlich massgeblich an der Ausformung der Meinigen beteiligt sind, wie auch ich die Wahrheiten anderer mitforme und verändere – manchmal unbewusst, manchmal weil ich will, aber auch nur dann weils der/die Andere/n zulassen.
    Genauso funktionierts umgekehrt. Deshalb, um nicht im schwarz/weiß denken verhaftet sein zu müssen, stelle ich gerne Fragen um über Wahrheiten (Meinungen, Einstellungen, Eindrücke usw.) anderer zu erfahren um dann die Dinge herauszufiltern, welche mir meine Wahrheiten bestätigen oder auch verändern.

    Alo subjektiv gesehen – objektiver gehts nimma ;-)

    Der Demokratie-Spruch stammt nicht von mir, sondern entstand Anfang des 20 Jhdts. und hat heute zunehmend mehr Gültigkeit und ist auch irgendwie als Warnung für weitere Entwicklungen zu verstehen, wenn wir nicht aufpassen (meine Wahrheit !)

    Tja, und zur Bildung kann ich nur sagen: der Lehrstoff ist die (oft überholte) Wahrheit anderer. Manchmal so agressiv, daß er, der “Lehrstoffvorgeber”, eigene wahrheiten gar nicht zuläßt bzw. überhaupt entstehen läßt.

    Bildung hat was agressives ja schon im Wort.
    Bildung = sich ein Bild machen (würd ich sagen)
    Bildung kann aber auch heißen: anderen ein Bild machen, vorgeben, vorgaukeln, reindrücken…

    Deshalb mein Interesse an der Sichtweise anderer, meine gestellten Fragen betreffend.

    Ich selbst seh mich weit grauer als Du mich einstufst – hatt ma ja schon öfter das Thema- obwohl ich der Einfachheit halber, zugegeben, auch gerne den schwarz/weiß-Aussagen fröhne – oft auch nur um zu provozieren und somit mehr zu erfahren, damit meine Gräulichkeit immer mehr verbuntet
    ;-)

  • Mir hat nur der Spruch nicht so gefallen, nicht die (wichtigen, eh klar) Fragen. Der Spruch funktioniert btw nach einem rhetorischen Muster, das extrem häufig zur Manipulation des Zuhörers eingesetzt wird. Das funktioniert im Detail in etwa immer so, indem man sagt: Wenn ich Schritt A mache, dann wird die gewünschte Konsequenz B dadurch NICHT VOLLSTÄNDIG eintreten, also konkret:

    Auch wenn ihr die Freiheit habt, eure Herren zu wählen, so schafft man damit die Herren und die Sklaven nicht ab!

    Der Zuhörer, der dieser Aussage zustimmen kann – und das werden die meisten tun, weil es eben wahr ist, dass durch Demokratisierung “Herren und Sklaven” im übertragenen Sinn nicht völlig beseitigt werden können, macht dann allzuoft den (manipulativ gewünschten, aber inhaltlich falschen) Schluss, dass Schritt A daher schlecht sei oder zumindest “nichts bringe”. Die Manipulationskraft dieser rhetorischen Wendung wird ganz klar, wenn man den Satz etwas verändert und die Zustimmungsraten vorher/nachher vergleicht:

    Wenn ihr aber die Freiheit habt, eure Herren zu wählen, wird es auch weniger (harte) Herren und weniger (willfährige) Sklaven geben!

    Hier werden wiederum die meisten zustimmen, was nun also dafür sprechen würde, dass Schritt A (das Wahlrecht) ein positiver Schritt ist, den man machen sollte.

    Ist es nun also gut oder schlecht, die Freiheit zu haben, seine “Herren” zu wählen? Und wenn es “eh” gut ist, welcher Sinn verbleibt dann noch für ein Zitat wie das obige, wenn nicht der in Richtung Motto “Demokratie? Meine Güte, auch egal, es ändert nix” – ein Motto, das wir gerade im Sinne von Grautönen als falsch entlarvt haben?

    Meines Wissens stammt das Zitat aus Herbert Marcuse “Der eindimensionale Mensch” – ich hab das schnell mal recherchiert. Er argumentiert gegen den Sowjetmarxismus aber für einen “anderen” Marxismus. Ich habe ihn nicht gelesen, aber fürchte sehr, dass derartiges gerne gerade auch zur Rechtfertigung der Abschaffung demokratischer Strukturen auf linkslinker Seite (weil zur “Überwindung des Kapitalismus” eben “nötig”) verwendet wurde. Der Zweck heiligt sowohl rechtsrechts als auch linkslinks die Mittel – in diesem Punkt sind sie sich einig – und im übrigen auch nicht nur in diesem.

  • politische Bildung bitte nicht allein auf die Schule schieben.
    auch Eltern, und sogar Politiker und sogar sogar die Medien sind dafür verantwortlich. Und von den letzteren genannten vermisse ich es am Meisten.
    (politische Bildung = ungleich politischer Schlagzeilen)

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