Grüne Kirche? Meine Gewissensbekenntnisse.
Beim Wandern durch die wunderbar ergrünende Wachau habe ich heute das folgende Selbstgespräch geführt. Im Rosengärtlein der Burgruine Aggstein, verfallenes Zeugnis einer sich stetig wandelnden menschlichen Kultur – hielt ich spontan kurz inne, um mir – diesen wahrlich einzigartig scharfen Abgrund hinunterblickend – eine letzte Frage zu stellen. Meine Antwort war eindeutig: ich will leben, du Idiot. Leben! Das heisst vor allem: sich verändern, sich auseinandersetzen, sich stellen. Konkret werden. Und daran wachsen.
Was sagst Du zu den sieben Fragen von Gerhard Ladstätter? Und warum gendert Ihr nicht immer durchgängig, zeigt Ihr damit nicht, dass Euch die feministische Grundausrichtung der Grünen nicht wichtig genug ist?
Die Wahrheit ist ja: wir gendern eh und haben die Website www.gruenevorwahlen.at von Beginn an fast durchgängig gegendert. Wenn ich sage “fast” dann ist der Hintergrund einfach der, dass die Site fragmentarisch und partizipativ entstanden ist, viele beteiligt waren und immer mehr aktiv mitmachen. Da passieren Fehler und gibt es auch unterschiedliche Schreibstile. Richtig ist für mich aber auch: ich möchte nicht jede inhaltliche Debatte durch dieses Thema überlagert haben. Diesbezüglich nerven die Grünen manchmal.
Inwiefern? Kannst Du das genauer ausführen?
Bissl böse formuliert ist meine Erfahrung nach 5 Wochen Kommunikationsarbeit in Sachen “Grüne Vorwahlen”: solange man irgendwo über einen nichtgegenderten Begriff stolpern kann ist für viele Grüne keine inhaltliche Diskussion über einen Text möglich, einfacher ist es, die Frage korrekten Genderns zu thematisieren. Insofern ist es auch kein Zufall, sondern für mich stimmig, dass Gerhard Ladstätter diese Frage gleich zu Beginn stellt. Meine Kritik ist, dass hier die einseitig für korrekt erklärte Einhaltung äusserer Formen den Inhalt zu dominieren beginnt. Es kommt nämlich nicht mehr in erster Linie darauf an, ob jemand die völlige Gleichstellung der Frau in allen denkbaren Fragen jeden Tag als Selbstverständlichkeit lebt, denn solange er noch Einwände gegen das Binnen-I hat steht er gewissermassen “unter Verdacht”. Ich kenne jede Menge Super-Leute, die mir nachvollziehbare Einwände gegen das Binnen-I oder gegen das Gendern als solches haben. Bis hin, dass man gegen das Gendern sein kann, weil man findet, dass dadurch der Unterschied zwischen den Geschlechtern in jeden Satz hineingetragen und auf ewig perpetuiert wird anstatt das gemeinsame “Mensch-Sein” in den Vordergrund zu stellen. Hat auch was. Ich selbst verwende ganz gerne weibliche und männliche Form nebeneinander, wenn es sich um direktes Ansprechen von Personengruppen handelt, das “durchgängige” Gendern ist nicht unbedingt meins. Ich tu mir auch schwer, es macht mir die Birne ganz weich und ich kann mich auf den eigentlichen Text nicht mehr konzentrieren und müsste auch ununterbrochen gänzlich umformulieren, weils oft einfach nicht mit meinem Sprachgefühl zusammengeht… Vor allem aber: ich taxiere nicht meine Gesprächspartner danach, ob sie gendern oder nicht oder nicht immer. Und will auch nicht taxiert werden.
Zurück zum eigentlichen Thema: Helge sieht schon eine Art grüner Gewissensprüfung kommen…
Genau, bitte zurück zum Thema. Also: wenn Gerhard Ladstätters Fragen nur die Wortmeldung eines einzelnen wäre, dann könnte man sagen: übertreibt mal nicht gleich. Der Punkt ist aber, dass diese Wortmeldung in einer ziemlich konsequenten Linie verschiedenster Gespräche steht, die wir seit Wochen halböffentlich bei den Infoabenden und auch nichtöffentlich führen, besser gesagt: führen müssen – weil unsere Aufforderung die Diskussion doch offen für alle zB in den Blogs zu führen bis jetzt nicht fruchtet. Insofern schon mal: ganz grosser erster Pluspunkt für Herrn Ladstätter.
Gehen wir also seine Punkte ein wenig durch. Wie ist das mit der “aktiven Mitarbeit”? Interpretiert Ihr den grünen UnterstützerInnen Status möglicherweise falsch?
Das glaube ich nicht. Bis vor einer Woche haben die Grünen auf ihrer Website sogar damit geworben, dass man in dieser Rolle “keinen Finger rühren” muss. Das wurde nunmehr anscheinend geändert, was ich am Rande gesagt für eine eher verunglückte bis peinliche Kosmetik halte. Die Wahrheit ist einerseits, dass natürlich auch Parteimitglieder nicht gleich ausgeschlossen werden, nur weil sie nichts für die Partei tun ausser Mitglied zu sein. Andererseits verlangt das Statut auch von den “UnterstützerInnen”, dass eine grundsätzliche Bereitschaft zu Aktivität da ist. Eine gewisse Kollision der Aktion “Grüne Vorwahlen” entsteht nun weniger mit den Statuten als gewissen grüninternen Usancen, denn gelebt wurde die Sache mit der “Arbeit” bis jetzt ja eher so: wer Zetteln verteilt und/oder sich soundsoviele Stunden zu einem sogenannten “Standl” stellt erklimmt grünintern die ersten Stufen der Anerkennung. Das ist auch ok so und will niemand abwerten. Ich glaub nur, dass es sehr viel mehr sinnvolle Formen von Aktivität geben kann, und die eigene Lebenserfahrung (gerade als im Berufs- und Familienleben vollständig gebundener Wähler!) in den Auswahlprozess von Kandidatinnen und Kandidaten einzubringen und dafür auch Zeit zu investieren gehört für mich ganz sicher dazu. Viel wichtiger ist mir aber: Diskutieren wir bitte nicht über die Auslegung von Statuten, sondern besser darüber, wie sich eine moderne, eine sehr kritische Wählergruppe ansprechende Partei im 21. Jahrhundert positionieren muss um Erfolg zu haben. Wenn man das weiss dann kann man die Statuten im Zweifel auch anpassen, so das nötig ist.
Bei seiner Frage nach der Kenntnis der grünen Grundwerte und ob diese von den neuen UnterstützerInnen überhaupt mitgetragen werden haben sich etliche gelinde gesagt “gefrotzelt” gefühlt. Wie gehts Dir damit?
Ich verstehe, dass man sich “gefrotzelt” oder vielleicht auch ein wenig “geschulmeistert” fühlt. Ich möchte aber nicht an dem Punkt stehenbleiben. Die Frage reicht für mich viel tiefer, sie berührt nämlich den Punkt des Selbstverständnisses der Partei als solche. Ich versuche redlich, mich zu erklären, was nicht immer so ganz einfach ist…
Dass eine politische Gruppierung durch bestimmte Grundwerte zusammengehalten wird ist ganz selbstverständlich. Hinter der Frage nach konkreter Kenntnis und Unterstützung von sechs taxativ aufgezählten “Werten” steht aber mehr. Da steht das Konzept dahinter, dass es ganz konkrete, durch die Partei in mühevoller inhaltlicher Detailarbeit ausgeformte und auf ganz bestimmte Art zu interpretierende Werte gibt, sowie auch dass man sich an diese Interpretationen dann auch zu halten habe. Und das wiederum korreliert direkt mit dem Konzept einer “Partei” als eben jenem Ort, in dem bis ins Detail ausgeformte Inhalte “erarbeitet” werden und von den Funktionärinnen und Funktionären dann auch entsprechend nach aussen geschlossen vertreten werden. Mich erinnert das, hoffentlich nicht zu provokant, sondern aufrüttelnd, auch etwas an ein ebenso überkommenes Konzept von “Kirche”: eine Glaubenswahrheit als Kern, eine Priesterschaft mit Deutungshoheit und “Schafe”, die sich allenfalls dafür entscheiden können, ob sie gefällige, weisse Schafe sein wollen oder sich von der Wahrheit abwendende, schwarze Schafe.
Womit wir direkt bei seiner nächsten Frage angelangt wären: Was bedeutet für Dich basisdemokratisch?
Genau. Und da gehts jetzt noch etwas mehr ans Eingemachte. Denn das Konzept einer Partei als einer Art Hüterin einer inhaltlichen Wahrheit, der sich das politische Individuum nach aussen hin unterzuordnen habe korrelliert auch mit einem bestimmten Konzept von “Demokratie”. Man kann Demokrat sein in einem Sinn, dass man die Entscheidung der Mehrheit eben akzeptiert, auch wenn man sie für grundfalsch hält – was implizit immer auch heisst, dass man selbst glaubt im Besitz einer besseren Wahrheit zu sein. Diese Art Demokrat zu sein reicht völlig, um der Verfassung zu genügen und jeder von uns ist meist nur jene Art Demokrat. In Sternstunden des Wachstums der eigenen Persönlichkeit erreichen manche aber temporär dann die Stufe “Demokrat/in 2.0″. Und das bedeutet dann, anzuerkennen, dass man selbst nur im Besitz einer vorläufigen, temporären politischen “Wahrheit” ist und dass der demokratische Prozess mit dazu beitragen kann, die eigene Position in der Auseinandersetzung mit den Meinungen Andersdenkender sukzessive weiterzuentwickeln und schrittweise zu bewegen.
Summa summarum?
Eine wahrhaft “demokratische” Partei versteht sich nicht als Hüterin einer genau bestimmten, tendentiell statischen “reinen Lehre”, sondern als dynamisches, sich ständig weiterbewegendes System – selbstverständlich auf der Grundlage eines gemeinsamen Wertegerüsts (das zweifellos etwas statischer sein muss als die konkreten Inhalte, aber selbst auch nicht auf alle Ewigkeit in Stein gemeisselt sein kann).
Wenn ich Dich jetzt nochmal frage, wie Du also bei den Grünen mitarbeiten willst dann jagst Du mich mit nassen Fetzen raus, stimmts? Du willst nicht doch plakatieren und Flyer verteilen?
Nasse Fetzen wären unklug, schliesslich handelt es sich um ein Selbstgespräch, schon vergessen? Fakt ist: schon wieder habe ich einen ganzen Abend für die Grünen nachgedacht – und schon wieder werden sie es vermutlich nicht schätzen können. Aber das ist durchaus ok, weil meine selbstbestimmte Entscheidung.
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Ich bin ehrlich: mehr als die Frage, ob ich dem grünen Gewissenstest genügen werde, beschäftigt mich, ob die Grünen meinem Gewissenstest genügen werden: schaffen sie es – vielleicht auch ein stückweit in der Auseinandersetzung mit der Initiative “Grüne Vorwahlen” – eine mutig-demokratische, sich dynamisch mit dem Denken und Fühlen ihrer Wählerinnen und Wähler mitbewegende Plattform zu werden (die sich gemeinsamen Grundwerten verpflichtet fühlt, ja sicher) – dann sollten sie umgehend damit beginnen die Wählerinnen und Wähler als wertvollste “Ressource” für Dynamik und Entwicklung überhaupt zu betrachten – oder aber begreifen sie sich doch eher als Hüterin einer im wesentlichen seit langem bekannten, im wesentlichen statischen Ideologie, die vor dem gefährlichen, zersetzenden Einfluss einer ideologisch nicht ausreichend gefestigten Wählerschaft geschützt werden muss…
In zweiterem Fall werden die Grünen dann halt auch vor meiner kritischen Mitdenkarbeit schon bald wieder nachhaltig geschützt sein.
Danke für das Gespräch!
Danke ebenfalls. Es war mir ein Fest.



danke für diesen Beitrag.
Und lass mich diesmal als grüner Mandatar und Funktionär feststellen:
Ich bin extrem froh, dass Du mit diesem Beitrag wertvolle “politische Grundlagenarbeit” leistet.Du sprichst ganz wesentliche Fragen an, die die Grundfesten unserer Demokratie berühren, nämlich jene der Ausformung und so notwendigen Weiterentwicklung von Parteien als solches.
Gerade weil die Politikverdrossenheit sehr gross ist (was leider in seiner Wirkung unterschätzt wird) müssen Reformen und ein grosser Aufbruch her.
Und eben nicht ein “Tag der Abrechnung (a la FPÖ)
Wer, wenn nicht wir Grüne sollten diesen Aufbruch anführen?
Deswegen möchte ich mich nochmals im Namen der Grünen, so wie ich sie verstehe, danken und Dir versichern, dass wir diese so wichtige Diskussion führen wollen und werden.
Ja und anlässlich dieses Beitrags: danke für die “Mitarbeit”.
c.
wichtiger Beitrag zur viel zuwenig diskutierten Frage: Was ist eigentlich eine Partei? http://bit.ly/1ztv6b
#GrueneVW
Danke, für dieses ausführliche Gespräch!
Mir hat es gut getan, diese Zeilen zu lesen, weil Du hier sehr klar schreibst, was Sache ist! Ja, wir Grüne (ich bin Gemeinderätin in Gmunden) brauchen Veränderung und Erneuerung. Nichts ist beständig, ausser der Wandel!
Da und dort hat der Wandel schon eingesetzt – Landesorganisationen sind nicht vergleichbar, Gemeindegruppen schon gar nicht – und die aktiven Personen erst recht nicht! Also ist es schwierig, alle Grünen in einen Topf zu werfen!
Was mir ganz ganz wichtig ist: Wenn wir die Diskussionen mit gegenseitiger Wertschätzung führen, dann können alle davon profitieren!
Denn die WählerInnen wissen wenig über die Mühen der Partei-Arbeit – und wir Grüne, die wir diese Arbeit (meist ehrenamtlich!) machen, sind frustriert über Feedback von aussen, dass es “zu wenig” sei, was wir tun – oder gar “nicht das Richtige”…
Daher: Reden wir wertschätzend miteinander. Es ist *die* Chance schlechthin! Wir können alle voneinander lernen. Auf einer Augenhöhe, wie die aktuelle In-Phrase heißt!
Mit Deinem Gespräch hast Du bereits ein schönes Beispiel dafür vorgelegt!
Vielen Dank dafür!
Lesenswerte Antworten auf Grüne Gewissensprüfung http://bit.ly/YHDwD & http://bit.ly/1ztv6b von @martinschimak & @digiom #GrueneVW
Seit Tagen ärgere ich mich über die “7 Fragen an die grünen Vorwahlen” Lesenswerte Antwort: http://bit.ly/1ztv6b
#GrueneVW (via @chorherr)
Hallo Martin,
gut geschrieben. Hilft mir jedenfalls durchaus auch, meine Empathie für Grünfunktionäre, die ungewollt bereits Bodenniveau erreicht hatte, wieder ein Stück hinaufzuheben. Wie auch Christophs Kommentar.
Schönen Tag noch,
Heinz
Lieber Martin,
ich vermisse leider eine wirkliche Auseinandersetzung mkit den betroffenen Themenbereichen, sondern lese nur immer wieder die gleichen einfach Platitüden, und boulvardartigen Totschlagargumente, wie “Die Wähler sind die Basis” und “Die Grünen sind eine Funktionärspartei” oder gar “Kaderpartei”.
Insofern ist dein Beitrag nach vielen Wochen der erste Versuch sich inhaltlich mit den Themen auseinanderzusetzen, was mich sehr freut.
Ein Zitat möchte ich besonders hervorheben und voll unterschreiben:
“Und das bedeutet dann, anzuerkennen, dass man selbst nur im Besitz einer vorläufigen, temporären politischen “Wahrheit” ist und dass der demokratische Prozess mit dazu beitragen kann, die eigene Position in der Auseinandersetzung mit den Meinungen Andersdenkender sukzessive weiterzuentwickeln und schrittweise zu bewegen.”
Ja eh, und genau um diese Auseinandersetzung in der Erstellung der eigenen Positionen geht es, bzw. in der Reduktion dieser Auseinandersetzung auf die Listenwahl und die personelle Zuspitzung inhaltlicher Differenzen.
lg
Markus
[...] Das diese Art der Kommunikation einiger Parteimitglieder kein positives Echo im “bösen” Internet ausgelöst hat ist klar, siehe z.B. hier, hier, hier und hier [...]
@Christoph und Uli und Heinz: Mich freut das sehr. Wenn es wirklich so ist, dass ich einen wichtigen Punkt in einer als wertschätzend empfundenen Sprache getroffen habe… gelingt selten genug!
@Markus: Nicht unterschreiben kann ich, dass all die vielen Beiträge der vergangenen Wochen (in den Diskussionen und die schriftlichen unter http://www.gruenevorwahlen.at/reaktionen/ abrufbar) keine wirkliche Auseinandersetzung geboten hätten. Das sehe ich schon anders. Was mir persönlich bisher gefehlt hat und ich daher entsprechend gut finde, ist, dass auch die kritischen grünen Stimmen sich nun auch entsprechend offen zu Wort melden. Auf dieser Basis kann nun eine fruchtbare Auseinandersetzung entstehen.
Weiters freut es mich, dass Du Dir genau dieses Zitat meines Postings ausgesucht hast, denn es ist mir wichtig und zentral. Hier soll es ausdrücken, dass diese offene Auseinandersetzung und das wertschätzende “Voneinanderlernen” meines Erachtens mit Wählern direkt stattfinden muss. Und meine These dazu ist schon auch klar folgende: diese wichtige direkte inhaltliche Auseinandersetzung mit der Wählerschaft findet real nur dann *wirklich* ernsthaft statt, wenn die auch die echten “Machtfragen” stellen oder anders gesagt: wenn sie plötzlich wirklich wichtig sind. Und wirklich wichtig genug sind sie in Österreich aufgrund der real existierenden politischen Strukturen meines Erachtens eben nicht. Das beweist gerade auch eine gewisse Aufregung um die “Grünen Vorwahlen”: wenn sich der Wähler in die Mandatsvergabe real einzumischen beginnt, wirds plötzlich ernst. Insofern “reduzieren” die “Grünen Vorwahlen” die Auseinandersetzung auch nicht auf die Listenwahl oder aufs personelle, sondern sie ermöglichen die gehaltvolle inhaltliche Auseinandersetzung erst – indem sie das Machtgefüge ein gutes stückweit zum Wähler verschieben und damit automatisch das Augenmerk der Vetreter hin zu den Vetretenen “umlenken”. Das ist auch keine persönliche Kritik an Kandidatinnen und Kandidaten, die sich um ein Amt bewerben – diese bewegen sich einfach in einem System, mit dem sie real umgehen müssen – und diesem müssen wir daher unser volles Augenmerk widmen.
Dieses Land muss noch lernen demokratisch aufrecht zu gehen – und ich erhoffe mir von den Grünen, dass sie den Anfang machen.
danke für den beitrag – muss man wirklich lesen #gruenevw http://bit.ly/aLnsq
[...] einen Hauptgrund der fortschreitenden Politikverdrossenheit und Entpolitisierung der Gesellschaft (siehe Christoph Chorherr). Die unterschiedlichen Positionen in Sachfragen, sei es nun Vermögenssteuern, [...]
„Würde sich Goethe dem Sprachsexismus unterzogen haben, lautete der zweite Absatz des 7. Bu-ches von ‘Dichtung und Wahrheit’ wie folgt: “In ruhigen Zeiten will jeder/jede nach seiner/ihrer Weise leben, der Bürger/die Bürgerin sein/ihr Gewerb, sein/ihr Geschäft treiben und sich nachher vergnügen; so mag auch der Schriftsteller/die Schriftstellerin gern etwas verfassen, seine/ihre Arbeiten bekannt machen und, wo nicht Lohn, doch Lob dafür hoffen, weil er/sie glaubt, etwas Gutes und Nützliches getan zu haben. In dieser Ruhe wird der Bürger/die Bürgerin durch den Satiriker/die Satirikerin, der Autor/die Autorin durch den Kritiker/die Kritikerin und so die friedliche Gesellschaft in eine unange-nehme Bewegung gesetzt.” “
aus: http://www.bruehlmeier.info/sprachfeminismus.htm
Kurzer Einwand zum Binnen-I als Antwort auf Adi:
“In ruhigen Zeiten will jede nach ihrer Weise leben, die Bürgerin ihr Gewerb, ihr Geschäft treiben und sich nachher vergnügen; so mag auch die Schriftstellerin gern etwas verfassen, ihre Arbeiten bekannt machen und, wo nicht Lohn, doch Lob dafür hoffen, weil sie glaubt, etwas Gutes und Nützliches getan zu haben. In dieser Ruhe wird die Bürgerin durch die Satirikerin, die Autorin durch die Kritikerin und so die friedliche Gesellschaft in eine unangenehme Bewegung gesetzt.”
Tut das weh? Goethe will keiner ändern, auch er war ein Kind seiner Zeit.
Aber warum nicht konsequent die weibliche Form? Männer können sich dann ja auch angesprochen fühlen.
ad Binnen-I:
Hast du den Artikel vom Brühlmeier komplett gelesen? Dort wird auch erklärt, dass der normale Sprachgebrauch bei der Mehrzahl von Substantiven immer beide Geschlechter anspricht. (”dass biologisches Geschlecht und grammatikalisches Genus keinesfalls gleichgesetzt werden dürfen”.) Es gibt ja auch Substantive mit weiblichen Artikel, die aber auch nicht geschlechtsneutral für Männer formuliert sind.
Noch dazu ist es meiner Meinung ein Fehlgriff. Um es komplett geschlechtsneutral zu formulieren, müssten wir alles auf das Neutrum beziehen.
Und es gibt auch Substantive die weder maskuline noch feminine Artikel haben, aber trotzdem weibliche Personen bezeichnen, z.B. das Mädchen. Gibt es dazu eine geschlechtsneutrale Formulierung? Das verwundert mich nämlich.
Was ich jedoch tue, wenn ich konkrete Personen anspreche, oder in der Anrede, im Titel oder dergleichen, dann finde ich kann man schon diese geschlechtsneutralen Formulierung hernehmen.
“Aber warum nicht konsequent die weibliche Form? ”
warum nicht die Groß-/Kleinschreibung abschaffen? Oder wird sie nicht eh schon langsam von selbst abgeschafft? Oder wird unsere Sprache langsam aber doch nicht dem Englischen angepasst? (in der Arbeit, bei Veranstaltungen, …)
Die Sprache wird sowieso von jeder Generation von Neuem gestaltet. Ich halte nichts von Reformen von oben, auch nicht von Rechtschreibreformen und deren Reform von Reformen der Reform von Reformen….
Man kann aber darüber diskutieren, oder es einfach anwenden, denn Sprache ist etwas wandelbares.