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	<title>Kommentare zu: Rinks und lechts?</title>
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	<description>Brainstorming the Bastille</description>
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		<title>Von: laurenz</title>
		<link>http://martin.schimak.at/2009/07/rinks-und-lechts/#comment-1661</link>
		<dc:creator>laurenz</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Jul 2009 14:09:25 +0000</pubDate>
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		<description>lieber martin,

da muss ich jetzt, wo ich grad meine diplomarbeit genau zu diesem thema schreibe, ein paar anmerkungen anbringen:

1. die leute, die sich als links oder rechts bezeichnen, werden nicht weniger. zumindest deuten alle empirischen studien darauf hin, dass heute nicht weniger leute als vor 30, 40 jahren bereit sind, sich auf einer links-rechts achse einzustufen.

2. was links und rechts bedeutet, ist historisch und auch regional bestimmt. links zur zeit der französischen revolution (aus dieser periode stammen die begriffe) waren die gegner der monarchie, rechts die verteidiger des ancien regime. im neunzehnten jhdt. war links-rechts auch stark von religiös-sekularen konflikten geprägt. erst mit dem höhepunkt des industriezeitalters, dem aufkommen der arbeiterbewegung und sozialistischer parteien wurde links-rechts zum sozio-ökonomischen konflikt, den wir heute darunter verstehen (markt-staat). um 1800 waren die linken für den freien markt, die rechten für die kontrolle der wirtschaft durch die regierung (d. h. im prinzip für ein feudales wirtschaftssystem). nach 1945 hat sich die bedeutung von links-rechts nochmal verschoben. zu den klassenkonflikten des industriezeitalters kamen andere hinzu: umwelt, frauengleichstellung, immigration, partizipative demokratie, ...
diese neuen konfliktlinien wurden teils ins links-rechts-schema eingeschlossen (z. b. immigration), teils nicht so richtig (z. b. umwelt). trotzdem, es entstanden neue parteien (grüne, linksliberale, aber auch rechts-autoritäre).

3. die vielen historischen konflikte, die sich in links-rechts widerspiegeln sind von land zu land verschieden. das hat verschiedene gründe: in protestantischen ländern zb ist die religiöse komponente irrelevant, in katholischen oder gemischten dafür noch immer stark (irland, polen, spanien, italien, auch österreich). in den skandinavischen ländern mit ihrer starken arbeiterbewegung und sozialdemokratie sind die industriellen konfliktlinien noch immer dominant (einkommensverteilung, rolle des staates in der wirtschaft, etc.). in osteuropa zb laufen die korrelationen zw. sozio-ökonomischem und post-industriellem links-rechts verkehrt: in w-europa bedeutet links (verkürzt) oft pro-staat und pro-liberale gesellschaftspolitik. in o-europa ist das oft umgekehrt, weil die kommunistischen regime quasi links-autoritäre waren.

4. was wichtig ist: die links-rechts selbst-einstufung hat früher viel mit der sozialen herkunft zu tun gehabt. das ist heute weniger der fall. die sozialstruktur (einkommen, status, bildung, elternhaus, kirchenbesuch, gewerkschaftsmitgliedschaft, ...) erklärt heute weniger als noch vor 30 jahren. dafür sind werthaltungen (in ö besonders: immigration) entscheidend für die links-rechts-selbsteinschätzung.

soviel mal dazu. mehr irgendwann, wenn ich mein ding fertig geschrieben hab:)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber martin,</p>
<p>da muss ich jetzt, wo ich grad meine diplomarbeit genau zu diesem thema schreibe, ein paar anmerkungen anbringen:</p>
<p>1. die leute, die sich als links oder rechts bezeichnen, werden nicht weniger. zumindest deuten alle empirischen studien darauf hin, dass heute nicht weniger leute als vor 30, 40 jahren bereit sind, sich auf einer links-rechts achse einzustufen.</p>
<p>2. was links und rechts bedeutet, ist historisch und auch regional bestimmt. links zur zeit der französischen revolution (aus dieser periode stammen die begriffe) waren die gegner der monarchie, rechts die verteidiger des ancien regime. im neunzehnten jhdt. war links-rechts auch stark von religiös-sekularen konflikten geprägt. erst mit dem höhepunkt des industriezeitalters, dem aufkommen der arbeiterbewegung und sozialistischer parteien wurde links-rechts zum sozio-ökonomischen konflikt, den wir heute darunter verstehen (markt-staat). um 1800 waren die linken für den freien markt, die rechten für die kontrolle der wirtschaft durch die regierung (d. h. im prinzip für ein feudales wirtschaftssystem). nach 1945 hat sich die bedeutung von links-rechts nochmal verschoben. zu den klassenkonflikten des industriezeitalters kamen andere hinzu: umwelt, frauengleichstellung, immigration, partizipative demokratie, &#8230;<br />
diese neuen konfliktlinien wurden teils ins links-rechts-schema eingeschlossen (z. b. immigration), teils nicht so richtig (z. b. umwelt). trotzdem, es entstanden neue parteien (grüne, linksliberale, aber auch rechts-autoritäre).</p>
<p>3. die vielen historischen konflikte, die sich in links-rechts widerspiegeln sind von land zu land verschieden. das hat verschiedene gründe: in protestantischen ländern zb ist die religiöse komponente irrelevant, in katholischen oder gemischten dafür noch immer stark (irland, polen, spanien, italien, auch österreich). in den skandinavischen ländern mit ihrer starken arbeiterbewegung und sozialdemokratie sind die industriellen konfliktlinien noch immer dominant (einkommensverteilung, rolle des staates in der wirtschaft, etc.). in osteuropa zb laufen die korrelationen zw. sozio-ökonomischem und post-industriellem links-rechts verkehrt: in w-europa bedeutet links (verkürzt) oft pro-staat und pro-liberale gesellschaftspolitik. in o-europa ist das oft umgekehrt, weil die kommunistischen regime quasi links-autoritäre waren.</p>
<p>4. was wichtig ist: die links-rechts selbst-einstufung hat früher viel mit der sozialen herkunft zu tun gehabt. das ist heute weniger der fall. die sozialstruktur (einkommen, status, bildung, elternhaus, kirchenbesuch, gewerkschaftsmitgliedschaft, &#8230;) erklärt heute weniger als noch vor 30 jahren. dafür sind werthaltungen (in ö besonders: immigration) entscheidend für die links-rechts-selbsteinschätzung.</p>
<p>soviel mal dazu. mehr irgendwann, wenn ich mein ding fertig geschrieben hab:)</p>
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	<item>
		<title>Von: martin</title>
		<link>http://martin.schimak.at/2009/07/rinks-und-lechts/#comment-1659</link>
		<dc:creator>martin</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 09:55:55 +0000</pubDate>
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		<description>Hi Ernstl,

Mit dem Beitrag hab ich ja eigentlich versucht aufzuzeigen, dass &quot;Links&quot; und &quot;Rechts&quot; als politischer &quot;Idealtypus&quot; weiterhin Sinn ergeben, *obwohl* sich gleichzeitig insofern immer weniger damit erklären lässt, weil zunehmend weniger Menschen eindeutig und immer in eine dieser beiden Richtungen ziehen. So gesehen glaub ich haben wir keinen Widerspruch - aber ich glaube, mir ist das nicht so wirklich gut gelungen, das herauszuarbeiten. Erst später in den Kommentaren...

Und ja, sich um &quot;Oben&quot; und &quot;Unten&quot; zu sorgen, den Gegensatz &quot;Oben&quot; und &quot;Unten&quot; reduzieren zu wollen oder durchlässiger machen zu wollen hat was mit &quot;Mehr Gleichheit&quot; zu tun und ist insofern ganz schön links! :-)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hi Ernstl,</p>
<p>Mit dem Beitrag hab ich ja eigentlich versucht aufzuzeigen, dass &#8220;Links&#8221; und &#8220;Rechts&#8221; als politischer &#8220;Idealtypus&#8221; weiterhin Sinn ergeben, *obwohl* sich gleichzeitig insofern immer weniger damit erklären lässt, weil zunehmend weniger Menschen eindeutig und immer in eine dieser beiden Richtungen ziehen. So gesehen glaub ich haben wir keinen Widerspruch &#8211; aber ich glaube, mir ist das nicht so wirklich gut gelungen, das herauszuarbeiten. Erst später in den Kommentaren&#8230;</p>
<p>Und ja, sich um &#8220;Oben&#8221; und &#8220;Unten&#8221; zu sorgen, den Gegensatz &#8220;Oben&#8221; und &#8220;Unten&#8221; reduzieren zu wollen oder durchlässiger machen zu wollen hat was mit &#8220;Mehr Gleichheit&#8221; zu tun und ist insofern ganz schön links! <img src='http://martin.schimak.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
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	<item>
		<title>Von: Ernstl</title>
		<link>http://martin.schimak.at/2009/07/rinks-und-lechts/#comment-1657</link>
		<dc:creator>Ernstl</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 12:02:06 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://martin.schimak.at/?p=527#comment-1657</guid>
		<description>Lieber Martin,

ich glaube gerade das Gegenteil, nämlich DASS links und rechts obsolet sind und vor allem, dass die Einteilung LINKS und RECHTS den Blick auf die WAHREN Verhältnisse trübt. Das war auch früher schon oft so, die Pervertierung von links und rechts zeigte uns ja auch die Geschichte:

Stalinismus: Die vollkommene Gleichschaltung und UNterdrückung der Bevölkerung, regiert von einem Staatsapparat der Bonzen? Das soll links sein?

Faschismus: Die vollkommene Gleichschaltung und Unterdrückung der Bevölkerung, regiert von einem Staatsapparat der Bonzen? Das soll rechts, also die grosse privarte Freiheit sein?

...und da gibt&#039;s noch etliche Beispiele, wo &quot;Links&quot; und &quot;Rechts&quot; als Kategorien im herkömmlichen Sin versagen (Blair ein Linker? et ceterissima...)


Nein, da sollte man besser George Orwell lesen, und dann wird man (vielleicht) erkennen: es gibt kein Links und Rechts, es gibt aber andere Kategorien, um die wir uns kümmern sollten, und die heissen: &quot;Oben&quot; und &quot;Unten&quot;. 

liebe Grüsse an die Internetfuzzis
Ernstl (pfuh, das war jetzt ganz schön links...:-)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Martin,</p>
<p>ich glaube gerade das Gegenteil, nämlich DASS links und rechts obsolet sind und vor allem, dass die Einteilung LINKS und RECHTS den Blick auf die WAHREN Verhältnisse trübt. Das war auch früher schon oft so, die Pervertierung von links und rechts zeigte uns ja auch die Geschichte:</p>
<p>Stalinismus: Die vollkommene Gleichschaltung und UNterdrückung der Bevölkerung, regiert von einem Staatsapparat der Bonzen? Das soll links sein?</p>
<p>Faschismus: Die vollkommene Gleichschaltung und Unterdrückung der Bevölkerung, regiert von einem Staatsapparat der Bonzen? Das soll rechts, also die grosse privarte Freiheit sein?</p>
<p>&#8230;und da gibt&#8217;s noch etliche Beispiele, wo &#8220;Links&#8221; und &#8220;Rechts&#8221; als Kategorien im herkömmlichen Sin versagen (Blair ein Linker? et ceterissima&#8230;)</p>
<p>Nein, da sollte man besser George Orwell lesen, und dann wird man (vielleicht) erkennen: es gibt kein Links und Rechts, es gibt aber andere Kategorien, um die wir uns kümmern sollten, und die heissen: &#8220;Oben&#8221; und &#8220;Unten&#8221;. </p>
<p>liebe Grüsse an die Internetfuzzis<br />
Ernstl (pfuh, das war jetzt ganz schön links&#8230;:-)</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: weltbeobachterin</title>
		<link>http://martin.schimak.at/2009/07/rinks-und-lechts/#comment-1655</link>
		<dc:creator>weltbeobachterin</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Jul 2009 20:48:32 +0000</pubDate>
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		<description>kluger Beitrag!!!
du sprichst mir aus der Seele. (über das Thema links und rechts radikal.) 
Zuwenig und zuviel ist des Narren Ziel heißt es ja. 
Aber ich finde es gut, wenn es Korrektur von links bzw. rechts kommt. 
Wenn man es genau nimmt wäre da eh die Große Koalition der Idealfall... aber es hapert da an der Realität.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>kluger Beitrag!!!<br />
du sprichst mir aus der Seele. (über das Thema links und rechts radikal.)<br />
Zuwenig und zuviel ist des Narren Ziel heißt es ja.<br />
Aber ich finde es gut, wenn es Korrektur von links bzw. rechts kommt.<br />
Wenn man es genau nimmt wäre da eh die Große Koalition der Idealfall&#8230; aber es hapert da an der Realität.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: martin</title>
		<link>http://martin.schimak.at/2009/07/rinks-und-lechts/#comment-1654</link>
		<dc:creator>martin</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Jul 2009 15:54:55 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://martin.schimak.at/?p=527#comment-1654</guid>
		<description>Genau das gibts an und für sich eh. Ergibt durchaus Sinn, finde ich: http://en.wikipedia.org/wiki/Political_compass</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Genau das gibts an und für sich eh. Ergibt durchaus Sinn, finde ich: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Political_compass" rel="nofollow">http://en.wikipedia.org/wiki/Political_compass</a></p>
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