Warum ich kein Grüner (mehr) bin.
Seit einem guten Monat weiss ich, dass ich meine im Rahmen der Initiative Grüne Vorwahlen auf unerwartet schwierige und intensive Art und Weise erworbene Rolle eines Unterstützers der Wiener Grünen zurücklegen werde. Aber ich wollte mir etwas Zeit lassen damit. Einerseits weil ich keine überhastete und dann vielleicht zu emotionale Entscheidung treffen wollte, andererseits weil ich meine auf Gefühlsebene bereits gewussten Gründe auch selbst erst näher erforschen musste.

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Fest steht, ich möchte nichts unterstützen, von dem ich für mich weiss, dass ich es nicht länger für unterstützenswert halte. Gar nicht leicht fällt es mir aber den ganzen Knäuel, der sich da bei mir angesammelt hat wieder zu entwirren. Und dann kommt bei fast jedem der herausgezogenen roten Fäden auch noch dieses Gefühl auf, eigentlich darüber schweigen zu wollen. Unter eine Phase mich erdrückender Kleinkariertheit einfach einen schweigenden Schlußstrich setzen zu wollen. Und doch kann ich glaub ich nicht ganz schweigend gehen, bin ich mir selbst und Euch dann doch ein paar klärende und offene Worte schuldig. Nur welche? So sitz ich also da in 1400m hohem steirischen Alpenland und hadere mit meinem Text – und dem mehr als lausigen Internetz.
Mmh. Zuallererst würde ich sicher davon schreiben wollen, dass ich einfach nicht akzeptieren will und kann, dass die über “Grüne Vorwahlen” geworbenen Unterstützerinnen und Unterstützer unfair behandelt wurden. Einhundertdreissig von ihnen wurden ohne ein einziges Mal bei Ihnen zurückzufragen abgelehnt – “einfach so”. Ich möchte das Prinzip Willkür, das da zur Anwendung kam auch bei seinem Namen nennen. Und ich möchte auch sagen, warum dieses Vorgehen für mich mehr Bedeutung hat als “nur” ein letztlich unbedeutender Anlassfall kleiner Fairnessverletzung zu sein: es schockiert mich einfach, dass sich in einer von mir doch geschätzten politischen Gruppierung nach langer Debatte jene Kräfte durchsetzen, für die rechtsstaatliche Grundprinzipien wie etwa die “Gleichheit vor dem Gesetz” oder das “Recht im Verfahren angehört zu werden” keine unverzichtbare Kostbarkeit darstellen. Möchte ich Menschen, welche bei der Abwägung zwischen uns allen nützenden Grundsätzen und dem vermeintlich eigenen Interesse bereits im Kleinen versagen, dann wirklich als meine Vertreter in öffentliche Ämter wählen? Nein, das möchte ich eigentlich nicht.
Dann müsste ich natürlich einige Worte über meine Enttäuschung verlieren, die Enttäuschung, dass die Motivation für die Grünen Vorwahlen von einem für mich viel zu grossen Teil der Grünen nicht verstanden, von einem weiteren Teil aus ideologischen Gründen einfach nicht gutgeheissen wird. Dass die Diskussion um die Grünen Vorwahlen von Anfang an von der internen “Machtfrage” und dem teils erbittert geführten Kampf um Positionen dominiert war kann ich ja recht gut verstehen und auch nachvollziehen. Wesentlich mehr beschäftigt haben mich aber die vielen kleinen und grösseren Grundsatzgespräche, aus denen immer wieder hervorging, dass man mit dem von unserer Verfassung gebotenen Prinzip des “freien Mandats” eigentlich auf Kriegsfuss steht und innerparteilich eher so einer zumindest “halb” imperativen Variante anhängt. Das Motto: das (ausserparlamentarische) Kollektiv soll Politik machen, die (in Parlamenten sitzenden) Abgeordneten sollen die inhaltlichen Vorgaben der Partei vor allem vollziehen. Wer sich im Zuge dieser Tätigkeit gar ein medial wahrnehmbares Profil erarbeitet und in Gesprächen mit Wählerinnen und Wählern gut ankommt wird tendentiell als “Selbstdarsteller” oder “Egomane” verunglimpft, welcher eben nicht mehr wissen wolle, dass er ohne die Partei doch rein gar nichts wäre.
Für ein und denselben Text fast schon unmöglich weit ausholen müsste ich, um von meinem Eindruck zu berichten, dass die demokratische Verfasstheit Österreichs für (zu) viele Grüne nicht wirklich “am Tapet” steht. Der fortdauernde politische Stillstand in diesem Land, die immer unerträglicher kreischende rechte “Abrechnung” damit und das stärker werdende Ohnmachtsgefühl eines grossen sich zwischen allen politischen Stühlen fühlenden Teils der Bevölkerung wird einfach nicht mit einem drückender werdenden Demokratiedefizit in Verbindung gebracht. Vielmehr würde die Bevölkerung eben leider die “falschen” Parteien mit den “falschen” Ansichten wählen. Punkt und Ende der Analyse. Und wenn man das so sieht, dann denkt man nicht so wirklich stark darüber nach, ob die österreichische Realdemokratie nicht vielleicht doch ein ziemliches Systemproblem hat. Und wenn man dann wiederum den Vertrauensschwund in dieses “System Österreich” nicht als drängendes Problem sieht, dann kann man auch die “Grünen Vorwahlen” nicht als ein Angebot an die eigenen Wählerinnen und Wähler wahrnehmen. Ein Angebot mit dem man wunderbar ausdrücken könnte: “Wir sehen die Probleme Österreichs und nehmen sie ernst. Und vor allem nehmen wir Euch ganz anders ernst als alle anderen. Wir legen unser Schicksal genau dort, wo es wirklich drauf ankommt, in Eure Hände. Damit ihr wisst, dass wir es aufrichtig mit Euch meinen.”
Vielleicht sollte ich aber doch weniger von der grossen und nur sehr langfristig beeinflussbaren Demokratiefrage sprechen und doch mehr von der kleinen grünen Demokratiewelt. Zum Beispiel könnte ich ja an die Grüne Wiener Landesversammlung vom 21. Juni erinnern und meine Interpretation der Zahlen einbringen. In dieser Versammlung fanden sich nicht nur 2/3 Mehrheiten dafür, die Rechte der neuen UnterstützerInnen auf sehr relevantem Gebiet einzuschränken, sondern es erwärmten sich auch fast 40% für den Vorschlag, den “Neuen” vor den Augen einer sehr aufmerksam gewordenen Öffentlichkeit überhaupt jedes interne Wahlrecht zu entziehen. Ich bin mir ganz sicher, dass es über diese knapp 40% hinaus eine Dunkelziffer an Leuten gab und gibt, welche diese Radikalvariante ebenfalls nur allzugern realisiert sehen würde, sie aber aus mehr taktischen Erwägungen zunächst doch abgelehnt hat (”Das schadet uns in der Öffentlichkeit!”).
Gleichzeitig spiele ich dann wieder mit dem Gedanken, auch noch von jenem Tag zu berichten, an dem meine Frau Kathi über ihre Ablehnung informiert wurde und das Fass meiner Frustrationstoleranz vielleicht endgültig überlief. Sie darf sich nun nämlich zu jener kleinen Gruppe von angeblich maximal fünf oder so AntragstellerInnen zählen, bei denen trotz Antwort auf die Nachfrage “keine ausreichende Beteiligungsbereitschaft herauslesbar” war. Am 23. Juli (!) wurde ihr per 08/15 Standardmail (”Falsches Formular”) die Ablehnung übermittelt. Ob der Grund für die Ablehnung in ihrem zu ehrlichen Statement zur Frage nach ihrer “Teilhabe” lag werden wir dank des kafkaesk anmutenden (Aufnahme-)Prozesses auch nicht mehr vollständig klären können bzw. wollen:
Als berufstätige Mutter zweier Kleinkinder ist es für mich zur Zeit leider undenkbar zu beginnen, mich in einer politischen Partei zu engagieren. Bedeutet aber Demokratie und Wahlrecht nicht eben eigentlich genau, dass die Bürger eines Staates mitbestimmen dürfen, wer für sie in der Politik arbeiten soll und wer nicht? Auch wenn man selbst auf andere Weise an der Arbeitsteilung einer modernen Gesellschaft teilnimmt, also nicht “aktiv” in der Politik ist! Die Entdeckung, dass die Grünen so eine direkte Mitbestimmung offenbar als einzige Partei in Österreich zulassen, fand ich sehr spannend, und an diesem Prozess hätte ich mich gerne beteiligt.
Und dann kämpfe ich in diesem unmöglichen Text ja auch noch damit, wie ich den wichtigsten und persönlichsten Grund für meinen Rückzug beschreiben kann. Denn meine aktuelle Auseinandersetzung mit den Grünen hat mir wiederum ganz klar gemacht, dass ich trotz grosser Nähe zu etlichen grünen Themen niemals ein Grüner werde sein können. Und zwar aus einem Grund, aus dem ich auch kein Roter, Schwarzer, Blauer oder Oranger sein kann. Das klingt dann sehr schnell völlig abgehoben, aber es hat tatsächlich etwas mit einer mich seit langem prägenden Verehrung für Karl Popper, seiner philosophischen Annäherung an “Wissenschaft” und seiner letztlich auch aus seinem Wissenschaftsbegriff abgeleiteten Offenen Gesellschaft zu tun. Ich schlag mal kurz in der Wikipedia nach und finde:
In Offenen Gesellschaften ist im Gegensatz zu ideologisch festgelegten, geschlossenen Gesellschaften, die einen für alle verbindlichen Heilsplan verfolgen, ein intellektueller Meinungsaustausch gestattet, der auch kulturelle Veränderungen ermöglicht. [...] Institutionen sind zwar unumgänglich, müssen sich in Offenen Gesellschaften aber einer ständigen Kritik stellen und immer veränderbar bleiben.
Nun ist es nicht so, dass ich die Wiener oder österreichischen Grünen für eine völlig geschlossene Gesellschaft halte. Im Gegenteil. Ich halte sie trotz aller hier deutlich geäusserter Kritik immer noch für eine positive und inhaltlich wichtige politische Stimme. Aber ich muss doch resümieren, dass das nur ein “relatives” Statement ist und mir selbst die Offenheit der Grünen letztlich nicht reicht, um dabei sein zu wollen. Damit meine ich vor allem auch die “geistige” Offenheit. Zu oft bin ich in Diskussionen auf den Punkt aufmerksam geworden, dass mal implizit, mal explizit die Frage im Raum stand, ob bestimmte einfach “frei” geäusserte Gedanken eigentlich “noch grün” seien. Und das interessiert mich eben genauso wenig, wie es mich interessiert ob ein Gedanke “christlich” ist, “marxistisch” ist oder sonst irgendwelchen vorgefassten Denkschemata entspricht. Nein, es interessiert mich nicht nur nicht, sondern ich gebe zu, ich halte es darüberhinaus auch nur ganz, ganz schlecht aus. Den sozialen Kampf um Anerkennung in sich gegenseitig bestätigenden politischen Zirkeln halte ich für eines der österreichischen Hauptprobleme – weshalb mich ja auch die Idee der Grünen Vorwahlen interessiert hat. Aber bevor ich selbst mich ständig mit der Frage auseinandersetzen muss, ob meine Gedanken “grün” genug sind sag ich lieber gleich, dass sie es vermutlich nicht sind. Ich bin ich. Mehr kann und will ich nicht leisten (müssen).
Tja. Und dann darf ich ja trotz allem auf jenen Punkt nicht vergessen, der diesen Text und meinen Entschluss, nicht nur zu schweigen, sondern schon auch zu reden, so besonders schwierig macht. Dies hier ist mein Blog. Und ich erkläre daher für alle die es interessiert, wie es mir persönlich mit den Grünen Vorwahlen und den Grünen ergangen ist: Nicht so gut, dass ich persönlich weitermachen möchte. Es gibt aber neben meinen für mich gültigen Gründen aufzuhören auch sehr gute Gründe weiterzumachen. Und ich wünsche mir das auch, dass alle, für die das persönlich “funktioniert” da dranbleiben. Wir haben ganz zweifellos einen wichtigen Nerv getroffen. Das steht für mich fest. Und einige – mich eingeschlossen – werden durch diesen Prozess vielleicht “verbraucht”. Aber wer kann denn heute wissen, was vielleicht doch noch alles Positives draus werden kann? Jetzt ohne mich – und vielleicht ja auch wieder mit mir. In einer Rolle mehr “von aussen”, die besser zu meiner Fasson passt als es die heutige österreichische Parteiendemokratie bisher zulässt? Wir werden es sehen.
Es ist fürchterlich, denn summa summarum weiss ich immer noch nicht, wie ich diesen Text schreiben soll. Ich weiss nur, dass ich ihn schreiben “muss”. Und dass er viel besser wohl auch nicht mehr werden wird.



Obwohl ich aus einer ähnlichen Analyse über die Wiener Grünen andere Schlüsse gezogen habe, finde ich Deine veröffentlichte Entscheidung gut.
Ich denke aber auch, dass man die Personen nennen sollte, die für die Situation verantwortlich sind. Das ist zum einen Markus Rathmayer, der wahrscheinlich mit den Betonpatschen schlafen geht und zum anderen Robert Korbei, der unprofessionelle Kommunikation zu seinem Credo erhoben hat.
Positive Beispiele aus dem Landesvorstand nenne ich hier lieber nicht, das könnte ihnen leider mehr schaden als nützen.
Martin, ich kann das alles so gut nachvollziehen. Popper passt hier – ich selbst habe mich schon bei dem Gedanken ertappt, dass ich befürchtete, wieder vom UnterstützerInnenstatus ausgeschlossen zu werden, weil ich den letzten Wahlwerbespot der Piraten retweetet (!) habe (und wie ich das wieder befürchte, weil ich das jetzt hier erwähne).
Die nicht nachvollziehbare Vorgehensweise in dieser Sache schafft in der Tat ein ungutes Verhältnis zwischen UnterstützerInnen und Partei – selbst wenn man angenommen wurde, wird durch das Wissen um diese Willkür das Unbehagen eines latenten Drucks erzeugt, sein (öffentliches) Denken und Handeln (gerade im Webzeitalter) immer wieder der Möglichkeit einer Prüfung zu stellen.
Ich bin für mich auch noch immer nicht zu einem Ergebnis gekommen – es keimt die Vermutung, dass ich für politische (Partei-)Arbeit, wo diese ein solches Dauerbekenntnis erfordert, nicht geeignet bin – ähnlich wie du schreibst du ziehst dich zurück, weil du auch kein Roter, Schwarzer, etc sein könntest.
@Gerhard Stimme dir absolut zu, die Aussagen und Kommunikationsformen von Rathmayer und Korbei (letzterer vor allem im Schriftliche) haben mich besonders vor den Kopf gestoßen. Immer noch durch Mark und Bein geht mir auch die Erinnerung an Ellensohns Polemik bei der Podiumsdiskussion, ob man sich sicher sei, dass die Grünen wirklich die Partei für einen seien – eine perfide Polemik, da in dem Moment ja erst recht der Gedanke aufkommt: “Nein, ich glaube nicht, dass das meine Partei ist, jedenfalls nicht, wenn sie so offen ist, wie dieses gerade an den Tag gelegte Verhalten es vermuten lässt.”
ahem -> @Gerald
@jana David Ellensohn muss ich jetzt einmal in Schutz nehmen. Ich war zwar auch erstmal entsprechend schockiert über seine Wortmeldung, aber im Zuge der Diskussion und weiteren Kontakten hat sich David für mich als reflektiver und diskussionsbereiter Politiker herausgestellt. Das Problem sind ja nicht solche Politiker wie Ellensohn, der sagt wenigstens konfrontativ seine Meinung (ok der Stil gefällt mir!-), sondern die Besitzstandswahrer auf den Hinterbänken und den Parteisekretarieten.
@gerald klingt vernünftig. bei mir war der schock danach zu groß, um mich weiter mit ihm auseinandersetzen zu wollen.
@martinschimak schreibt da einigen Enttäuschten der #gruenevw aus der Seele http://tr.im/uP2J – mir gehts ähnlich
Martin, ich kann dir nur 100% zustimmen!
Sehr feine Analyse!
Retweeting @martinschimak: Warum ich kein Grüner (mehr) bin – http://tr.im/uP2J – #GrueneVW
RT @martinschimak: Warum ich kein Grüner (mehr) bin – http://tr.im/uP2J – #GrueneVW (via @Karli)
RT @martinschimak: Warum ich kein Grüner (mehr) bin – http://tr.im/uP2J – #GrueneVW #ich wurde übrigens vor ein paar Tagen angenommen.
RT @martinschimak: Warum ich kein Grüner (mehr) bin – http://tr.im/uP2J – #GrueneVW
Hallo Martin,
ich kann dich sehr verstehen, deinen Entschluss nachvollziehen und bin ja selbst (obwohl nicht betroffen, weil schon lange Mitglied der Grünen) sehr unzufrieden, wie mit den VorwählerInnen umgegangen wurde.
Aber letztlich bleibt die Frage, ob Rückzug die richtige Entscheidung ist. Die Alternative aus meiner Sicht: aktiv sein und sich noch mehr einmischen, selbst politisch zu sein. Ich weiß, das ist nicht einfach, ein langer und zäher Prozess – aber wer soll dafür sorgen, dass es eine politische Kraft gibt, von der wir uns vertreten fühlen und die wir unterstüzten wollen, wenn nicht wir selbst?
Denn bei aller Kritik, die die Wiener Grünen verdienen für ihre Wagenburgmentalität, die da offenbar wurde – eine brauchbare Alternative sehe ich beim besten Willen weit und breit nirgends.
Ich möchte zum Thema “Standardmail” noch etwas hinzufügen. Meine Freundin und ich haben uns beide bei den Grünen als Unterstützer via Grünen VW gemeldet. Zuerst hat meine Freundin ein Mail bekommen. Darin wurde ihr nahe gelegt, an einer “Web-Blogschulung” teilzunehmen. Sie findet das durchaus interessant, ich auch. Nur wenn man das Wort Weblog bzw. Blog nicht verstanden hat, wie will man dann eine vernünftige Schulung durchführen?
Nachdem ich ein paar Tage weiterhin nix zurück bekommen habe, schrieb ich einmal ein Mail an die Grünen. Wortlaut:
“Warum habe ich noch keine Antwort auf mein Ansuchen als
Unterstützer bekommen? Ich würde sehr gerne die Grünen im Wiener Wahlkampf unterstützen, allerdings gab es bislang keine Rückmeldung von Ihrer Seite. Sollte das Ansuchen abgelehnt worden sein, hätte ich mir eine raschere Benachrichtigung erwünscht und würde dazu noch rechtzeitig eine Antwort an die Grünen senden können.”
Nach 2 Tage erhielt ich dann endlich eine Mail – mit einer Ablehnung: “Aus Ihrem Ansuchen, UnterstützerIn der Grünen zu werden, konnten wir diese uns wichtige Bereitschaft nicht herauslesen, da das von Ihnen verwendete Formular einige Felder nicht enthält, die Bestandteil des offiziellen grünen Antragsformulars sind.” Das Mail dürfte ja schon allgemein bekannt sein.
Nun: Ich habe mich bei den Grünen gemeldet, weil ich noch nichts bekommen hatte. Ich biete aktiv meine Mithilfe an. Und ich habe am Antragsformular klar kund getan, dass ich keine Zusendungen der Grünen erhalten will, mich aber laufend selbst informiere und mich bei Punkten, wo es mir möglich ist, mich selbst einbringen möchte. Trotzdem erhielt ich die Ablehnung und das ist für mich dann auch ein vorläufiges Ende meiner großen Zustimmung zu den Grünen.
Mittlerweile habe ich mich aus diesem Grund auch dazu entschlossen, mein altes Blog offline zu nehmen, da ich hier immer wieder für die Grünen eingetreten bin. In einer tiefroten Familie keine so leichte Angelegenheit, vor allem wenn die laufend mitlesen. Aber immerhin wurde ich bei der SPÖ nun schon mehrmals mit offenen Armen empfangen, sobald mir etwas aufgefallen ist, wo ich konkret etwas mithelfen kann. Bei den Grünen ist das schon im Keim erstickt worden.
RT @martinschimak: Warum ich kein Grüner (mehr) bin – http://tr.im/uP2J – #GrueneVW
Ein paar Sätze von dir muss ich einfach wiederholen – du formulierst klar, was mir in den letzten Monaten ebenfalls zu schaffen machte:
Unterm Strich stellt sich für mich die Frage nach der Unterstützerschaft vor allem vor einer Wahl. Unterstütze ich eine Partei in Ihrem Wahlkamp? Wähle ich sie?
Bei der letzten Wahl, der EU-Wahl, konnte ich das dank Eva Lichtenberger klar mit ja beantworten. Jetzt bin ich gespannt auf das Kandidatenteam für Wien 2010. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Weiß nicht, was ich davon halte. Weiß dass ich es schon lange verstehe: @martinschimak: Warum ich kein Grüner (mehr) bin http://tr.im/uP2J
Wobei ich nicht unbedingt glaube, dass Popper dir zugestimmt hätte, von wegen starkem, langsamen Bohren von harten Brettern. Die Bretter sind da, das Bohren ist halt enorm mühsam…
Irgendwie geschockt, und trotzdem volles Verständnis: RT @martinschimak: Warum ich kein Grüner (mehr) bin – http://tr.im/uP2J – #GrueneVW
ganz kurz mein Senf:
* dass das Individium Mensch nicht auschließlich für allen nützenenden Grundsätzen handelt is nichts neues und dies ist in keiner Organisation der Welt so.. aber daraus den Umkehrschlusss zu machen ist auch falsch
* das es personen bei den Grünen gibt, die gegen Person mit talentierem Umgang mit Medien sind, ist für mich ein bisschen zu weit runtergebrochen. Meiner Meinung geht hier viel mehr wie populistisch soll die Partei sein. Dies Thema findet ich sehr interessant, bei dem es sicher sehr unterschiedliche Ansätze gibt.
*Eine Partei sollte sich immer fragen für was sie steht, für mich jedoch keine grund noch nicht behandelte Themen “grün” zu machen. Sowie die Gessellschaft ist auch eine politische Partei einem ständigen Wandel unterzogen.
Die Demokratie lebt von der Vielfalt (auch innerhalb einer Partei), die Partei die zu jedem persönlich am Besten passt müsste jeder Mensch selber gründen, dann hätten wir in Österreich 8 Mio Parteien. Für mich sind die Grundsätze eienr Partei wichtig, alles andere ist verhandlungssache..
RT @martinschimak: Warum ich kein Grüner (mehr) bin – http://tr.im/uP2J – #GrueneVW (via @muesli)
Auch an dieser Stelle nochmal: schön und treffend formuliert! Mir ist es in den letzten Wochen nicht anders gegangen, wiewohl ich mich derzeit zum Weitermachen entschlossen habe. Der Grund – siehe Helge: die Hoffnung stirbt zuletzt.
@Jana, ja auch ich habe mich in den letzten Wochen öfters beim Gedanken ertappt, dass das eine oder andere was ich tue oder sage, mir meinen Unterstützerstatus kosten könnte.
Ich habe aber jedesmal bei diesem Gedanken, den ich nicht als Furcht, sondern bloß als Möglichkeit beschreiben will, überlegt, dass wenn dem so wäre, das nicht mir, sondern viel mehr den Wr. Grünen schaden wird. Genauso, wie ihnen der Rückzug von Martin, einem eloquenten, intelligenten Wähler schaden wird. Genauso, wie ihnen die Ablehung einiger meiner Freunde und Bekannten schaden wird, die sich in ihren Motiven nicht von mir unterscheiden. Ebenso wie ihnen jeder einzelne Abgelehnte, jede einzelne Zurückgewiesene schaden wird, weil sie sich weiter von möglichen Sympathisanten abgrenzen und wenn nicht bald eine spürbare Gegenbewegung entsteht, auf ein paar wenige Leute beschränken werden, die zwar inhaltlich in allen Punkten d’accord sein, aber bald keine Wähler mehr haben werden. Schreckensszenario? Ich weiß nicht? 52% der Grünen Vorwähler wurden abgelehnt…ich kenne sonst keine Partei, die mehr als die Hälfte ihrer Anhänger bewusst düpiert.
Wer ein Langzeitgedächnis besitzt, bemerkt, dass die offene Gesellschaft zäh aber doch funktioniert. Die politischen Lager, die sich in der Tagespolitik gegenseitig verbissen bekämpfen und nach innen Fahnentreue verlangen, ändern ihre Grundsatzpositionen häufiger und befruchten sich gegenseitig stärker, als es den Lagern bewusst und lieb ist, oder als sie zugeben würden.
Es wäre schön, wenn der politische Dialog offener, freigeistiger, konstruktiver und ehrlicher geführt würde. Nur wie? Freisinnige Menschen organisieren sich nicht. Die Fundamentalisten sind hingegen motiviert auch tatsächlich koordiniert Politik zu machen.
Lagerhickhack und Gesinnungsprüfungen sind unschön, aber vielleicht gibt es keine realistische, bessere Alternative.
Was ich aber durch die Vorwahldiskussion gelernt habe, ist, dass die Mitglieder der Partei “Die Grünen”, nur Parteimitglieder bzw. das Parteienkollektiv als “Grüne” verstehen. Ich hatte das immer so aufgefasst, dass auch Sympathisanten, Wähler und das Milieu “Grüne” sind. Wenn ich heute ein Interview mit Grünpolitikern lese oder höre, erkenne ich, dass viele Aussagen, die ich früher als Wähler als direkte Ansprache interpretiert hätte, in Wahrheit Teil einer parteiinternen Diskussion sind.
Insofern warst Du, Martin, noch nie ein Grüner. Du wusstest es halt nur nicht.
Persönlich ist es überaus befreiend, sich nicht zu einem Lager zu bekennen. Da bin ich schon vor langem drauf gekommen. Dann sind die Gedanken wirklich frei.
Wenn man allerdings eine politische Karriere anstrebt, dann ist dieser mentale Schritt fatal und somit tunlichst zu unterlassen.
RT @martinschimak: Warum ich kein Grüner (mehr) bin – http://tr.im/uP2J – #GrueneVW
Martin, wir haben doch nicht alle bei den GrünenVorwahlen mitgemacht, weil wir so begeistert sind, wie großartig alles bei den Grünen läuft.
Dann mach jetzt bitte nicht auf blauäugig und bitter enttäuscht, weil durch die nähere Auseinandersetzung mit der Grünen Partei die ersten Eindrücke bestätigt und um einige Facetten bereichert wurden.
Dass die Grüne Partei Defizite aufweist, die Dir eine Identifikation schwer machen, das war doch der Ausgangspunkt. Vor wenigen Monaten noch hast Du aus dieser Analyse den Schluss gezogen: “Stürmt die Bastille!” und los ging’s mit den Grünen Vorwahlen. Und heute kommst Du auf Basis der selben Analyse zum Schluss: “Habt’s mi gern!”?
Dieter hat das zentrale Bild schon angesprochen: Parteimitglieder und Vorwähler stehen sich gegenüber und teilen jeweils der anderen Gruppe mit “Wir sind die Grünen.”
Und Du als Vorwähler sagst nun “Eigentlich habt ihr recht.” und gehst?
Sollten wir’s nicht machen wie der Baeck: am einen Tag den Urlaub bei Freunden anzetteln, am nächsten auf die Mohren-Polizei ätzen und am Abend dann Parteimitglied werden wollen? Ganz nach dem Motte “Nix scheissen und ran an die Bastille!”
Die gezogene Conclusio ist für mich wenig nachvollziehbar; schließe mich One Bricks vollstens an.
Nach Ellensohns Worten beim Open House (bei dem 2/3 Unterstützer waren) wurden viele “Interessenten” schlichtweg abgelehnt, da sie nur fiktiv und nicht real waren. Ich möchte niemandem etwas unterstellen, jedoch habe ich da einen anderen Eindruck.
Man muss sich als Vorwähler nicht als Auserwählter sehen, aber man kann schon anerkennen, dass man eine übergeordnete demokratische Wirksamkeit hat.
ad Philipp
ich rate deiner freundin das Blog-Schulungs-Mail nochmals genauer zu lesen, richtet sich an Kandidaten, nicht an Unterstützer.
auch für mich steht fest, dass ich nichts mehr unterstütze, von dem ich für mich weiss, dass ich es nicht länger für unterstützenswert halte. Gar nicht leicht fällt es mir, dies mit meiner ‘politischen’ vergangenheit in einklang zu bringen. auf grund meines lebensalters (50+) bin ich schon einige jahrzehnte ein grünwähler gewesen und habe diese einstellung und gesinnung auch in meine umwelt und an meine kinder weitergetragen/-gegeben. die ablehnung als vorwähler ohne jeden grund hat all dies zunichte gemacht. für mich war die bewerbung als vorwähler ein erster schritt/versuch, näher an die grünen heranzukommen und ich wurde ziemlich kommentarlos abgelehnt. das hinterfragen meiner ablehnung wurde mit einem für mich unverständlichen kommentar abgetan. und parolen wie durchhalten und/oder jetzt erst recht sind für mich der falsche weg.
die konsequenz aus dieser aktion/reaktion ist, dass die grünen zukünftig zumindest eine sichere stimme weniger haben werden.
[...] gebe zu, es war ein bisschen ein Schock, als Martin, einer der Initiatoren der grünen Vorwahlen, letzte Woche erklärte er würde seine mühsam [...]
[...] habe ich für mich persönlich die Entscheidung getroffen, dass ich, ähnlich wie Martin, mit den Wiener Grünen eigentlich nichts mehr zu tun haben [...]
[...] kehrenden auch sehr persönlichen Schmutzkübel, die da auf den Vorstand als Ganzes ( z.B. hier) oder auch auf mich persönlich ( z.B. hier) geworfen werden. Letzteres zeugt von ziemlich [...]
[...] Landesvorstand ihr Ziel erreicht, da ein Großteil der OrganisatorInnen derzeit ein Frustrationsmaximum durchlebt. Ich will mich mit der Wagenburgmentalität auch nicht länger aufhalten, da mich [...]
Word!
Du bist Du
Und wer das nicht weiß, ist dumm.
Bumm
liebe Grüsse
Ernstl
Martin, ich bedauere deine Entscheidung, und dass die Grünen Vorwahlen auf doch relativ viel Widerstand gestoßen sind, was ich in den letzten Monaten live miterleben durfte.
Ich hätte mir auch eine breiter Öffnung gewünscht, man muss aber fairerweise sagen, dass die Grünen die einzige Partei sind, die überhaupt ein Wahlrecht für Unterstützer anbieten, was historische Gründe hatte (Stichwort Parteibuch-Wirtschaft). Niemand hindert einen, ein reguläres Mitglied zu werden und dann aktiv und passiv bei den Grünen mitzuwirken, was ich allen aus eigener positiver Erfahrung empfehlen möchte, die etwas (bei den Grünen, in Wien, in Ö, in der EU, auf der Welt) verändern möchten. Ich unterstütze die Initiative, die mich auch dazu animiert hat, mehr den Grünen zu machen.
Ich finde es sehr schade, dass du diesen Schluss gezogen hast. Die Initiative Grüne Vorwahlen hat sehr viel bewirkt! Ich bin über Euch Vorwähler geworden, im April. Dann hab ich lang nix gehört, irgendwann kam ein Brief mit dem Inhalt, dass ich mein Engagement für die Grünen auch irgendwie beweisen soll. Den hab ich ignoriert. Irgendwie bin ich trotzdem als Unterstützer aufgenommen worden. Nach meinem Urlaub im Juli war dann ein Mail da, dass der KandidatInnenprozess breit gestaltet wird. Ein Weblog-Kurs und Medientraining wurde angeboten, falls man Kandidat werden will. Also bin ich Kandidat geworden, Weblogs haben mich eh interessiert. Mit den Grünen hab ich aktiv noch nie etwas zu tun gehabt. Die Schulung war sehr gut, mein Blog gibts schon. Einige Grüne – mit vielen hatte ich bis jetzt noch nicht zu tun – vermitteln sehr glaubhaft, dass sie auf neue Kandidaten wert legen. — Also sehr schade, dass du als Vorkämpfer dieser Entwicklung jetzt aufhörst. Ich verstehe schon, dass du vor allem an die ohne Grund abgelehnten Unterstützer denkst. Hast du innerhalb der Grünen keinen Unterstützer, der auch Interesse daran hat, dass aufgeklärt wird, warum manche Leute nicht aufgenommen wurden? Und sich bei den Leuten, die ganz ohne Grund abgelehnt wurden, zu entschuldigen?
Nachtrag zu obigem Kommentar: Mit “Unterstützer innerhalb der Grünen” meine ich natürlich einen arrivierten Grünen, der sein Gewicht in die Waagschale werfen kann.
@Bäck:
nicht zu vergessen den Herrn Dieter Gremel, der ja die meisten Massenmails im Namen von Korbei schickte.
@martin:
ich finds eigentlich jetzt noch zu früh um aufzugeben. Es gibt so viele Gründe warum jetzt es erst recht wichtig ist die Grünen zu unterstützen, auch wenn diese sie nicht wirklich annehmen. Schon im Bezug auf die folgende Wahl, gehts darum die SPÖ zu schwächen und gegen Rechts aufzutreten. Eine absolute Mehrheit der SPÖ schadet ganz Wien, und eine aufstrebende Rechtspartei ebenso.
Deshalb ist es erst recht wichtig, die Grünen wach zu rütteln, damit sie nicht schon wieder alle Wähler verkrämen.
@adi Dieter ist allerdings kein Mandatar oder Funktionär der Grünen sondern ein Angestellter. Und wenn ein Angestellter nicht das macht, was sein Chef Korbei sagt….. Es ist eigentlich unfair Dieter Gremel hier zu nennen.
@bäck:
als Angestellter würde ich, wenn ich mit dem Grünen Programm nicht kann, auch nicht meinem Namen in der Emailadresse verwenden!!!
Also selbst schuld!
Und wenn sein Chef Korbei ihn aber zwingt mit seiner Email-Adresse Briefe vom Korbei auszuschicken, würde ichs trotzdem nicht machen, weil das mit Sicherheit gegen das Arbeitsrecht oder sonstigen Gesetze ist. Man kann nicht mit seinem eigenen Namen im Namen anderer Briefe verschicken.
Man muss sich vom Arbeitgeber nicht alles gefallen lassen. Da soll der Korbei ihm gefälligst eine Firmen-Emailadresse geben!
[...] sein und sich schmollend zurückziehen bringt keinen Fortschritt. Warum treibt euch der Zorn nicht zu doppelter [...]