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	<title>Kommentare zu: Zersplittert die Parteienlandschaft.</title>
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	<description>Brainstorming the Bastille</description>
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		<title>Von: Martin Schimak</title>
		<link>http://martin.schimak.at/2009/11/zersplittert-die-parteienlandschaft/#comment-1833</link>
		<dc:creator>Martin Schimak</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 12:03:26 +0000</pubDate>
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		<description>laurenz, bin skeptisch. dass mit steigender bildung das wissen über ideologien zunimmt und damit auch die konsistenz in bezug auf aussagen über solche sowie die zuordnung des eigenen denkens zu einer solchen scheint mir eine brauchbare und vielleicht sogar &quot;belegte&quot; hypothese zu sein. gleichzeitig ist das aber noch lange kein beleg dafür, dass wir uns mit der verbündelung politisch etwas gutes tun. meine these ist, a. dass es ein repräsentationsproblem gibt, b. dass dieses durch die umpositionierung von parteien nicht mehr dauerhaft entschärfbar sein wird, sondern c. durch eine steigerung der &quot;komplexität&quot; des politischen prozesses (mehr parteien, freiere abgeordnete, mehr direkte entscheidungen) entschärft werden kann.

dabei besteht das von mir postulierte repräsentationsproblem eben gar nicht so sehr darin, dass die ideologischen bündel nicht mehr zu den groben ideologischen positionierungen in der bevölkerung passen, sondern ganz konkret darin, dass diese &quot;verbündelung&quot;, sowie die weitere verbündelung durch klub- und koalitionszwänge mehrere aufeinander aufbauende simplifizierungsschritte eines komplexen politischen willens sind. weiters, dass jeder einzelne dieser schritte dazu beiträgt, dass immer weniger mehrheiten in sachfragen gefunden werden können, bzw teilweise auch &quot;falsche&quot; mehrheiten gebildet werden, die in der bevölkerung so gar nicht existieren. wichtig dabei ist, dass wenn ich von &quot;mehrheit&quot; spreche, das immer nur auf die einzelne sachfrage beziehe, niemals auf die uns (leider) so vertraut gewordenen ideologichen bündel...</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>laurenz, bin skeptisch. dass mit steigender bildung das wissen über ideologien zunimmt und damit auch die konsistenz in bezug auf aussagen über solche sowie die zuordnung des eigenen denkens zu einer solchen scheint mir eine brauchbare und vielleicht sogar &#8220;belegte&#8221; hypothese zu sein. gleichzeitig ist das aber noch lange kein beleg dafür, dass wir uns mit der verbündelung politisch etwas gutes tun. meine these ist, a. dass es ein repräsentationsproblem gibt, b. dass dieses durch die umpositionierung von parteien nicht mehr dauerhaft entschärfbar sein wird, sondern c. durch eine steigerung der &#8220;komplexität&#8221; des politischen prozesses (mehr parteien, freiere abgeordnete, mehr direkte entscheidungen) entschärft werden kann.</p>
<p>dabei besteht das von mir postulierte repräsentationsproblem eben gar nicht so sehr darin, dass die ideologischen bündel nicht mehr zu den groben ideologischen positionierungen in der bevölkerung passen, sondern ganz konkret darin, dass diese &#8220;verbündelung&#8221;, sowie die weitere verbündelung durch klub- und koalitionszwänge mehrere aufeinander aufbauende simplifizierungsschritte eines komplexen politischen willens sind. weiters, dass jeder einzelne dieser schritte dazu beiträgt, dass immer weniger mehrheiten in sachfragen gefunden werden können, bzw teilweise auch &#8220;falsche&#8221; mehrheiten gebildet werden, die in der bevölkerung so gar nicht existieren. wichtig dabei ist, dass wenn ich von &#8220;mehrheit&#8221; spreche, das immer nur auf die einzelne sachfrage beziehe, niemals auf die uns (leider) so vertraut gewordenen ideologichen bündel&#8230;</p>
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	<item>
		<title>Von: laurenz e</title>
		<link>http://martin.schimak.at/2009/11/zersplittert-die-parteienlandschaft/#comment-1831</link>
		<dc:creator>laurenz e</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 12:48:50 +0000</pubDate>
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		<description>lieber martin,

das mit der steigenden ideologisierung habe ich schon richtig verstanden, damit meinte ich nicht die parteien, sondern die wählerInnen. dafür gibt es anscheinend auch in der literatur hinweise, z. b. spielen die parteien eine rolle, weil sie eben solche bündel an politischen positionen anbieten. 

zum unterschied zwischen wählerInnen und politikerInnen siehe auch hier:

http://www.socsci.uci.edu/~bgrofman/R34-Glazer-Grofman-Why%20representatives%20are%20ideologists%20though%20voters%20are%20not.pdf

tatsächlich findet man innerhalb der wählerschaft eine bestimmte anzahl von &quot;schubladen&quot;, die die einstellungsbündel ganz gut beschreiben. und diese schubladen sind bei hoch gebildeten viel stärker ausgeprägt als bei weniger hoch gebildeten.

mit der bildung steigt also die ideologische konsistenz. ob die parteien diese nachfrage-bündel durch ein geeignetes angebot abholen können, ist eine andere frage. parteien sind von natur aus ja träge apparate, die nicht von heute auf morgen neue ideologische ausrichtungen annehmen. und wenn ein loch klafft zwischen der ideologischen nachfrage und dem entsprechenden angebot, dann haben wir ein repräsentationsproblem, weil ein großer teil der wählerschaft zwischen den stühlen sitzt.

ob das in österreich derzeit der fall ist, wage ich zu bezweifeln. aber das müsste man mal empirisch untersuchen.

lg
laurenz</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber martin,</p>
<p>das mit der steigenden ideologisierung habe ich schon richtig verstanden, damit meinte ich nicht die parteien, sondern die wählerInnen. dafür gibt es anscheinend auch in der literatur hinweise, z. b. spielen die parteien eine rolle, weil sie eben solche bündel an politischen positionen anbieten. </p>
<p>zum unterschied zwischen wählerInnen und politikerInnen siehe auch hier:</p>
<p><a href="http://www.socsci.uci.edu/~bgrofman/R34-Glazer-Grofman-Why%20representatives%20are%20ideologists%20though%20voters%20are%20not.pdf" rel="nofollow">http://www.socsci.uci.edu/~bgrofman/R34-Glazer-Grofman-Why%20representatives%20are%20ideologists%20though%20voters%20are%20not.pdf</a></p>
<p>tatsächlich findet man innerhalb der wählerschaft eine bestimmte anzahl von &#8220;schubladen&#8221;, die die einstellungsbündel ganz gut beschreiben. und diese schubladen sind bei hoch gebildeten viel stärker ausgeprägt als bei weniger hoch gebildeten.</p>
<p>mit der bildung steigt also die ideologische konsistenz. ob die parteien diese nachfrage-bündel durch ein geeignetes angebot abholen können, ist eine andere frage. parteien sind von natur aus ja träge apparate, die nicht von heute auf morgen neue ideologische ausrichtungen annehmen. und wenn ein loch klafft zwischen der ideologischen nachfrage und dem entsprechenden angebot, dann haben wir ein repräsentationsproblem, weil ein großer teil der wählerschaft zwischen den stühlen sitzt.</p>
<p>ob das in österreich derzeit der fall ist, wage ich zu bezweifeln. aber das müsste man mal empirisch untersuchen.</p>
<p>lg<br />
laurenz</p>
]]></content:encoded>
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	<item>
		<title>Von: Martin Schimak</title>
		<link>http://martin.schimak.at/2009/11/zersplittert-die-parteienlandschaft/#comment-1830</link>
		<dc:creator>Martin Schimak</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 08:41:54 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://martin.schimak.at/?p=1390#comment-1830</guid>
		<description>Missverständnis. Ich meinte nicht, dass &quot;die bündel immer differenzierter und weniger idealtypisch (also eig. weniger “ideologisch” im sinne von konsistent) werden&quot; - das wäre dann das alte lied von den nicht mehr unterscheidbaren parteien, zwischen denen wir nicht mehr entscheiden können. Ich meinte vielmehr, dass wir Menschen selbst immer differenzierter und weniger idealtypisch denken und daher immer weniger zu vorgegebenen bündeln &quot;passen&quot;.

Ich unterstütze daher auch ausdrücklich nicht Deine These, dass die steigende Bildung und das damit einhergehende Abstraktionsvermögen dazu führt, dass wir nun alles auf Metaebene verknüpfen können und wundersamerweise passt wieder alles - oder passt gar noch besser als früher. Ganz im Gegenteil. Steigende Bildung und höheres Abstraktionsvermögen trägt - neben der schrittweisen Entschärfung der aufgrund der Industriegesellschaft des 19 und 20. Jh besonders krass und schematisch gewesenen Interessengegensätze - mit dazu bei, dass wir zu immer mehr Fragen differenzierte, eigenständige Ansichten entwickeln. Eine hochgebildete Bevölkerung lässt sich nicht mit 3,4,5,6 ideolgisch vorgeformten Schubladen abbilden.

Ich möchte da nochmal auf http://martin.schimak.at/2009/05/zwang-und-demokratie-sind-unvereinbar/ verweisen. Was ich dort für Parteien in einem Klubzwangs Parlament aufzeige gilt genauso für Individuen, die sich in das Schema einiger weniger Parteien zwängen müssen. Wir verhindern durch diese &quot;Vereinfachung&quot; auf ein paar Schubladen tendentiell, dass real existierende Mehrheiten sich auch real manifestieren können.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Missverständnis. Ich meinte nicht, dass &#8220;die bündel immer differenzierter und weniger idealtypisch (also eig. weniger “ideologisch” im sinne von konsistent) werden&#8221; &#8211; das wäre dann das alte lied von den nicht mehr unterscheidbaren parteien, zwischen denen wir nicht mehr entscheiden können. Ich meinte vielmehr, dass wir Menschen selbst immer differenzierter und weniger idealtypisch denken und daher immer weniger zu vorgegebenen bündeln &#8220;passen&#8221;.</p>
<p>Ich unterstütze daher auch ausdrücklich nicht Deine These, dass die steigende Bildung und das damit einhergehende Abstraktionsvermögen dazu führt, dass wir nun alles auf Metaebene verknüpfen können und wundersamerweise passt wieder alles &#8211; oder passt gar noch besser als früher. Ganz im Gegenteil. Steigende Bildung und höheres Abstraktionsvermögen trägt &#8211; neben der schrittweisen Entschärfung der aufgrund der Industriegesellschaft des 19 und 20. Jh besonders krass und schematisch gewesenen Interessengegensätze &#8211; mit dazu bei, dass wir zu immer mehr Fragen differenzierte, eigenständige Ansichten entwickeln. Eine hochgebildete Bevölkerung lässt sich nicht mit 3,4,5,6 ideolgisch vorgeformten Schubladen abbilden.</p>
<p>Ich möchte da nochmal auf <a href="http://martin.schimak.at/2009/05/zwang-und-demokratie-sind-unvereinbar/" rel="nofollow">http://martin.schimak.at/2009/05/zwang-und-demokratie-sind-unvereinbar/</a> verweisen. Was ich dort für Parteien in einem Klubzwangs Parlament aufzeige gilt genauso für Individuen, die sich in das Schema einiger weniger Parteien zwängen müssen. Wir verhindern durch diese &#8220;Vereinfachung&#8221; auf ein paar Schubladen tendentiell, dass real existierende Mehrheiten sich auch real manifestieren können.</p>
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		<title>Von: laurenz e</title>
		<link>http://martin.schimak.at/2009/11/zersplittert-die-parteienlandschaft/#comment-1829</link>
		<dc:creator>laurenz e</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 23:28:27 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://martin.schimak.at/?p=1390#comment-1829</guid>
		<description>achja, zu der geschichte mit der nachfrage:

natürlich, wie in allen systemen gibt es hürden für den markteinstieg (4%-klausel, parteienfinanzierung, mediale aufmerksamkeit, …). das heißt, dass diese hürden überwunden werden müssen, auch wenn es genügend nachfrage nach einem noch nicht representierten package (einer neuen partei) gibt.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>achja, zu der geschichte mit der nachfrage:</p>
<p>natürlich, wie in allen systemen gibt es hürden für den markteinstieg (4%-klausel, parteienfinanzierung, mediale aufmerksamkeit, …). das heißt, dass diese hürden überwunden werden müssen, auch wenn es genügend nachfrage nach einem noch nicht representierten package (einer neuen partei) gibt.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: laurenz e</title>
		<link>http://martin.schimak.at/2009/11/zersplittert-die-parteienlandschaft/#comment-1828</link>
		<dc:creator>laurenz e</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 23:22:53 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://martin.schimak.at/?p=1390#comment-1828</guid>
		<description>lieber martin,

dazu noch ein paar anmerkungen: ob die bündel (danke für das deutsche wort) immer differenzierter und weniger idealtypisch (also eig. weniger &quot;ideologisch&quot; im sinne von konsistent) werden, da wär ich mir nicht so sicher. ich hab noch keine studie dazu (d. h. zur entwicklung über die zeit) gelesen, aber es gibt einige sehr interessante untersuchungen zur ideologischen konsistenz von individuellen präferenzen. meine vermutung ginge eher in die richtung, dass die ideologische konsistenz mit der zeit zunimmt. das vor allem deshalb, weil tendenziell das bildungsniveau in den europäischen gesellschaften steigt. höhere bildung führt zu höherer abstraktionsfähigkeit und diese wiederum dazu, dass man viele verschiedene einzelne sachfragen (z. b. steuern, homo-ehe, eu, …), die vordergründig nicht zusammenhängen, auf einer metaebene verknüpft (z. b. aufgrund eines zugrundeliegenden verständnisses von gerechtigkeit, freiheit, etc.). somit würde ich erwarten, dass die bündel eher homogener werden, die leute mit der zeit (und v. a. mit steigendem bildungsgrad) ideologischer (im sinne von konstistenter in ihren einstellungen) werden.

ich schreib mir das mal auf meine was-ich-noch-unbedingt-erforschen-will-to-do-liste.

lg
laurenz</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber martin,</p>
<p>dazu noch ein paar anmerkungen: ob die bündel (danke für das deutsche wort) immer differenzierter und weniger idealtypisch (also eig. weniger &#8220;ideologisch&#8221; im sinne von konsistent) werden, da wär ich mir nicht so sicher. ich hab noch keine studie dazu (d. h. zur entwicklung über die zeit) gelesen, aber es gibt einige sehr interessante untersuchungen zur ideologischen konsistenz von individuellen präferenzen. meine vermutung ginge eher in die richtung, dass die ideologische konsistenz mit der zeit zunimmt. das vor allem deshalb, weil tendenziell das bildungsniveau in den europäischen gesellschaften steigt. höhere bildung führt zu höherer abstraktionsfähigkeit und diese wiederum dazu, dass man viele verschiedene einzelne sachfragen (z. b. steuern, homo-ehe, eu, …), die vordergründig nicht zusammenhängen, auf einer metaebene verknüpft (z. b. aufgrund eines zugrundeliegenden verständnisses von gerechtigkeit, freiheit, etc.). somit würde ich erwarten, dass die bündel eher homogener werden, die leute mit der zeit (und v. a. mit steigendem bildungsgrad) ideologischer (im sinne von konstistenter in ihren einstellungen) werden.</p>
<p>ich schreib mir das mal auf meine was-ich-noch-unbedingt-erforschen-will-to-do-liste.</p>
<p>lg<br />
laurenz</p>
]]></content:encoded>
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