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Wien ist… anders.

11. Oktober 2010 26 Kommentare

Ja, allerdings. Freilich aber auch etwas anders, als wir es in den Balkengrafiken gestern immer wieder vor Augen geführt bekommen haben. Ich weiss schon: für Politiker zählen nur die gültig abgegeben Stimmen – alles andere ist rechtlich irrelevant. Politisch freilich und vielleicht auch so ein bisschen zur gefühlten Einschätzung der Stadt in der wir alle leben ist es durchaus relevant mal einen Blick auf das “Gesamtelektorat” zu werfen: nämlich den Anteil der Parteistimmen gemessen an allen Wahlberechtigten. Und das sieht dann – nun nach Auszählung der grössten Tranche der Wahlkarten so aus:

Die Wahlbeteiligung ist in Wien schon fast traditionell niedrig. Das hat sicher viele Gründe, allen voran vermute ich: 1. Weniger “sozialer Druck” – in einer vergleichsweise anonymen Großstadt gehen nur die zur Wahl, die das aus eigenem Antrieb wollen, 2. nicht alle sind immer da – viele ziehts am Wochenende aufs Land raus oder sie sind gerade beruflich unterwegs, nur einem Teil davon ist die Wahl wichtig genug, um von einer Wahlkarte Gebrauch zu machen.

Und eine These: geringe Wahlbeteiligungen kommen monothematischen Parteien an den Rändern des politischen Spektrums stark zugute. Jene gut 15% der Wienerinnen und Wiener, die gestern FPÖ gewählt haben fühlen sich durch diese überdurchschnittlich gut vertreten und sind stark motiviert zur Wahl zu gehen. Unter den Nichtwählern würden sich wesentlich mehr Menschen als kleinstes Übel für eine der gemässigten Parteien entscheiden. So betrachtet kann man sich dann auch recht leicht ausmalen, wie eine FPÖ in WIen eines Tages auf 40% kommen kann: sie muss lediglich zB 5% mehr Wienerinnen oder Wiener davon überzeugen, dass fast alle ihre Probleme durch die Zuwanderung verursacht sind – sofern gleichzeitig die Wahlbeteiligung (aus vielleicht komplett anderen Gründen) auf 50% sinkt, kann sie gegen 40% der gültigen Stimmen kommen. Natürlich etwas zu schematisch und vereinfacht gerechnet, aber wie ich glaube von der Tendenz her durchaus möglich.

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26 Kommentare

  • Gute Theorie. Dazu kommt auch die schwache Mobilisierung der anderen dadurch, dass sie keine Themen besetzen. Reagieren auf die F-Themen ist zu wenig.

  • Vielen Dank für diese Grafik – diese Betrachtung der Zahlen wird meiner Meinung nach viel zu wenig beachtet! Und wenn man bösartig wäre, könnte man vermuten, dass viele Parteien genau damit rechnen…

  • Mit den Wahlkarten wirst du die Statistik nochmal neu machen müssen. Dann wird der rechte Balken nochmal gute 10% kleiner.

  • @Tom: werde ich dann einfügen, die botschaft dieser visualisierung wird sich dadurch nicht ändern.

  • wahlausgang inklusive #nichtwähler – durchaus interessant – via @martinschimak: http://bit.ly/cqt7Ew #wien2010

  • irgendwas hinkt da. weiss = ungültig? soweit ich weiss, sind die ungültigen stimmen als abgegebene stimmen zu werten. wenn – angenommen – alle wählen gehen und 50% davon wählen ungültig, dann teilen sich die verbleibenden gültigen stimmen “nur” auf die entsprechenden 50% auf und nicht auf 100%.

    was bleibt – viel zu viele verzichten auf ihr wahlrecht und damit auf ihre demokratischen rechte. das ist bedenklich.

    bevor ich nicht wählen gehe (was ich leider angesichts der “angebote” ja nachvollziehen kann), wähle ich ungültig.

  • @lysistrata: Die Bedenken sind unbegründet. Die offiziellen Prozentsätze sind Prozentsätze der gültigen Stimmen. Vom Beteiligungsprozentsatz muss man den Prozentsatz der Ungültigen abziehen, dann hat man den Gesamtprozentsatz der Gültigen, nach dem man dann die urpsrünglichen Prozentsätze durch Multiplikation “runtergewichten” kann. Addiert man in Folge alle nicht in Mandate übersetzbaren Stimmen (Nichtwähler, Weisswähler, runtergewichtete Wähler zu schwacher Parteien) erhält man den Prozentsatz der hier als “Anders” zusammengefasst ist. Diese Menschen eint, dass sie nicht vertreten sind bzw die Wahl den Gültigwählern überlassen haben.

    Der Hinweis von Tom ist freilich richtig, ich hatte ihn eh auch in meinem Text erwähnt, die Grafik wird daher nach Bekanntwerden des endgültigen Results mit Wahlkarten nochmal angepasst werden. “The big picture” (starke relative Mehrheit der Nichtvertretenen, knapp verfehlte absolute Mehrheit einer Partei, die von ca einem Viertel der Wienerinnen und Wiener gewählt wird) wird sich nicht mehr ändern.

    Lg!

  • nocheinmal: einspruch: wenn ich ungültig wähle, wird meine stimme wahlarithmetisch anteilig aufgeteilt. der einfachheit halber: es treten zwei parteien an, die x und die y.ich wähle ungültig. von den gültigen stimmen gehen 30% an x und 70% an y. dann zählt meine stimme zu 30% x und zu 70% y. wählen also 10 personen ungültig haben – wieder wahlarithmetisch – 3 von ihnen x gewählt und 7 y.

    wer nicht wählen geht ist nicht erfasst, wirft seine stimme also wirklich weg.

    http://www.polipedia.at/tiki-index.php?page=Ungültig+wählen

  • RT @MartinSchimak: Gebloggt: Wien ist… anders. (Und die Balkengrafik ist… anders.) http://bit.ly/cqt7Ew #wien2010 #ppcast

  • @lysistrata das ist genauso berücksichtigt.

  • was sind dann in der graphik “weisswähler”?

  • @lysistrata: Wer weiss wählt, dessen Stimme wird im Endeffekt auf die anderen aufgeteilt. Das kann man so sehen und wird in dem von Dir gegebenen Link auch mit Bezug auf die Weisswähler erklärt. Es gibt aber mit Bezug auf die Mandatsverteilung letztlich keinen arithmetischen Unterschied, ob man weiss wählt, nicht wählt oder eine Partei wählt, die den Einzug nicht schafft. Jede dieser Stimmen kommt arithmetisch den anderen Parteien anteilsmässig der auf diese entfallenden gültigen Stimmen “zugute”. Auch wenn Du es nicht so rechnest oder siehst, der mathematische Effekt ist immer derselbe. Ich fasse daher alle diese Stimmen unter “Anders” zusammen, überlass mir bitte diese meine Entscheidung für meine Visualisierung. Danke + lg!

  • sorry, dass ich dein system hinterfrage! immerhin willst du ja damit etwas transportieren!

    du transportierst, dass weisswehler 0 mandate haben. nach der wahlordnung stimmt das aber nicht. sie sind anteilig durch die anderen mandatare vertreten.

    du transportierst, es sei egal, ob man weiss (=ungültig) wählt oder gar nicht hingeht. und das ist schlicht und ergreifend falsch.

    traue keiner statistik, die du nicht selbst …

  • @lysistrata – Die Ungültigen sind anteilsmäßig durch die anderen Parteien vertreten, aber die Nichtwähler ja doch auch.

    Die Mandatsverteilung erfolgt aufgrund der gültig abgegebenen Stimmen, anschließend werden die Reststimmen und Restmandate verteilt. Der einzige echte Unterschied ist doch, dass man sehen kann: so viel haben sich die Mühe gemacht, hinzugehen und waren dann entweder mit dem Wahlzettel überfordert oder wollten protestieren. Die Nichtwähler dagegen gelten als “politikverdrossen” oder “faul”.

    Ungültig zu wählen enthält also das Potenzial einer Aussage, die dem Nichtwählen fehlt.

    Jedoch: Weder durch Nichtwählen noch durch ungültig Wählen bleiben Sitze im Gemeinderat frei.

    Oder wie siehst du das genau?

  • [...] Martin Schimak [...]

  • Tolle Veranschaulichung!

    Frage dazu: warum hat die Gruppe mit den meisten Stimmen die wenigsten Sitzplätze – oder sind die Stehplätze für diese reserviert?

    Und eigentlich sind Nichtwähler undemokratisch. Also hättest Du den Balken vielleicht auch ein bisserl bräunlich einfärben können….

    Ein dickes “Pfui” jedenfalls von mir an diese Mehrheit der Wahlberechtigten. Via Web eine Wahlkarte beantragen, eine Unterschrift und zwei Kreuzerl sind ja wohl wirklich nicht der Aufwand. Sogar das Porto wird aus Steuergeld übernommen.

  • "Heute" titelt: "Jeder Vierte wählte Strache!" richtig wären 14% http://j.mp/cPwNB4 #fail #wien2010 #kobuk /via @chrmar

  • RT @MartinSchimak: Gebloggt: Wien ist… anders. (Und die Balkengrafik ist… anders.) http://bit.ly/cqt7Ew #wien2010 #ppcast

  • @speendo Interessant fand ich auch das hier http://bit.ly/9s10RJ – weil die These wohl vielerorts gilt, nicht nur speziell für Wien…

  • ♺ @luzluz Interessant fand ich auch das hier http://bit.ly/9s10RJ – weil die These wohl vielerorts gilt, nicht nur speziell für Wien

  • Suppose that all the non-voters would have voted something other than FPÖ … hm — ?! http://bit.ly/cIfYRi

  • Ja, den Nichtwählern sollten sich die Parteistrategen widmen… RT @MartinSchimak Wien ist… anders. http://bit.ly/cqt7Ew #wien2010 #ppcast

  • Mich hat die geringe Wahlbeteiligung überrascht, “gefühlt” (Andrang im Wahllokal) war sie höher. Man sollte aber nicht vergessen, dass die FPÖ viele Protestwähler an sich bindet, also auch solche die nicht glauben, dass fast alle [...] Probleme durch die Zuwanderung verursacht sind.

  • [...] hat es schon gebraucht, um ein Resümee zur Wahl zu ziehen. Einige haben dazu schon sehr treffende Blogpostings geschrieben. Ich will mich jetzt nicht nur damit aufhalten, warum es so ausging, wie es eben [...]

  • Eine interessante Betrachtung des Wahlergebnisses bezogen auf alle Wiener/innen von @MartinSchimak. Lesenswert! http://bit.ly/9KYidj

  • Thanks, bookmarked!

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