Archiv für November, 2010

Keine Zeit. Querlesen. Die Sache kippt.

23. November 2010 42 Kommentare

So, jetzt schreib ich mir mal wieder was von der Seele. Dafür liebe ich meinen Blog besonders. Allerdings: ich muss mich kurz fassen. Superkurz. Andernfalls wird der Text nicht nur nicht gelesen werden. Sondern er wird selbst von den intelligentesten, sympathischsten, einfühlsamsten und überhaupt rundum besten Menschen die mich umgeben und meinen kleinen Blog hier (vorgeben zu) lesen völlig falsch interpretiert werden. Denn sie lesen keine ganzen Sätze mehr. Dort wo der Punkt eines Satzes ist reflektieren sie nicht mehr. Und wo ein Fragezeichen steht, stellen sie keine Fragen mehr. Finsternis macht sich breit. Da. Jemand schreit? Nein, es war nur meine innere Stimme.


(Art Credits to brenda-starr according Creative Commons BY-NC-ND 2.0)

Wenn ich ein eMail an mehrere Leute schreibe (und mich kurz dabei fasse) kann ich sicher sein, dass von der Hälfte keine Reaktion kommt. Wenn ich in einem Projekt zum Interessensabgleich eine Doodle Umfrage starte, für die man den fünfzeiligen Einleitungstext lesen muss, um sie zu verstehen, kann ich sicher sein, dass sie nicht verstanden werden wird. Wenn ich einen Blogbeitrag mache, in dem ich einen etwas anspruchsvolleren Gedanken ausführlich beschreibe, kann ich sicher sein, dass ich ihn in den Comments wiederholen muss (was ich gerne tue). Wenn ich einen Online Artikel lese kann ich sicher sein, dass ihn 80% der direkt darunter Kommentierenden nicht gelesen haben. Wenn ich einem vielbeschäftigten Menschen, der via Skype online ist eine kurze Frage stelle, ist die Chance mehr als intakt, dass die Reaktion solange dauert, dass ich mit meiner Arbeit und meinen Gedanken längst ganz woanders bin. Wenn ich anrufe, kann ich sicher sein, dass mit recht hoher Wahrscheinlichkeit nicht abgehoben wird oder spätestens nach dem zweiten Halbsatz gesagt wird: “Du, das müssen wir später in Ruhe besprechen”. Gut, gerne, denn ich bin ja ein freundlicher Zeitgenosse. Oder versuche einer zu sein.

Allein: das “später” findet in wiederum mindestens 50% aller Fälle nie statt. Es sei denn ich versuchs halt wieder. Und dann nochmal. Und das geht nicht nur auf meine Zeit, sondern fällt natürlich tendentiell auch zwischenmenschlich auf mich zurück. Man ist schliesslich schon lästig, nicht wahr? Das ist der Teufelskreis, in dem wir mittlerweile fast alle stecken (und ich nehm mich da gar nicht aus, bin selbst um keinen Deut “besser”!): wir verlieren Unmengen an Zeit, weil wir uns die benötigte Zeit nicht mehr nehmen (können?). Absurd. Und dennoch Fakt. Glaub ich. Wir verlieren weiters Unmengen an Zeit, weil wir nur noch die Dinge gleich tun, die sich in 30 Sekunden erledigen lassen. Alles andere kommt nicht etwa in eine Warteschlange. Nein, es bleibt tendentiell liegen, weil sich alle 30 Sekunden neue 30-Sekunden-Dinge vordrängen.

Wenn ich was kurzes brauch und jemand ist über Twitter DM erreichbar, dann ist die Chance noch halbwegs intakt. Der Bonus der kleinen Community. Und daher für mich wiederum Ausdruck desselben Problems. Man weicht in Kanäle aus, die noch halbwegs funktionieren. Es ist aber nur eine Frage der Zeit (sic!), bis die auch verstopft sein werden.

Hätte ich starke Selbstzweifel könnt ich natürlich auch in mich gehen und sagen: das alles könnte ja auch einfach an DIR liegen. Die mögen Dich vielleicht nicht? Nö. Daran liegts nun wirklich nicht. Das was da passiert ist grösser. Umfassender. Und es wird nicht mehr allzulange dauern können, bis das grosse Pendel in irgendeiner Form zurückschwingt. Zumindest teilweise. In gewisser Hinsicht. Für manche. Bis dahin muss ich wohl noch durchhalten, sofern ich nicht vorher ohnehin wegen illegaler Schirrmacherei geklagt werde oder für den Wolo oder sowas nachnominiert werde und dann nichtmal mehr von meinen unerreichbaren Freunden gemocht werde.

Meine Güte, was bin ich arm.

Meine Kanzler. Gefühlt.

4. November 2010 27 Kommentare

Eigentlich bin ich ja gar kein Kulturpessimist oder so was. Und dann gibt es da Dinge, von denen ich einfach höchst subjektiv der Meinung bin, dass sie gefühlt immer schlechter werden. Mit dazu gehört das “politische Personal” im allgemeinen, aber weil es leichter ist das an Personen festzumachen, hab ich mich schnell hingesetzt und die Kanzler der Republik Österreich, die ich in meinem gar nicht mehr so kurzen Leben bisher “live” erleben durfte höchst subjektiv “bewertet”: wie nah war der jeweilige Kanzler (Frauen waren ja bisher leider keine dabei) am gefühlten Idealbild der Jobdescription eines Kanzlers?

Werd ich alt? Sicher, allerdings bin ich mit diesem Schicksal ja nicht ganz allein. Mich würde daher sehr interessieren, wie Ihr diese sieben Personen und ihre Eignung fürs Amt beurteilt – so weit ihr sie nicht mehr direkt erlebt habt zieht eben alles heran, was ihr so über sie wisst oder erzählt bekommen habt. Wenn ich Rückmeldungen bekomme (brauche zu jedem Namen einen Prozentsatz!) mach ich nochmal eine Grafik, aus der wir herauslesen können, ob nur ich alt werde oder ob wir alle die Vergangenheit verklären – oder vielleicht doch ganz realistisch sehen?