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	<title>Brainstorming the Bastille &#187; Chorherr</title>
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	<description>Brainstorming the Bastille</description>
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		<title>Fremdbestimmtheit&#8230;</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Oct 2009 12:02:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Schimak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Chorherr]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8230;ist das für mich alles entscheidende Wort im heutigen Blogbeitrag von Christoph Chorherr. Arbeiten Sie noch? fragt er und hängt die unausgesprochene Zusatzfrage dran &#8220;Oder sind sie schon tätig?&#8221;.
Wir müssen uns nicht ganz mit dem achselzuckenden Statement begnügen &#8220;Manche mögen ihre Arbeit eben und andere eben nicht.&#8221; Wer es schafft, in ein im wesentlichen selbstbestimmtes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;ist das für mich alles entscheidende Wort im heutigen Blogbeitrag von Christoph Chorherr. <a href="http://chorherr.twoday.net/stories/5999620/">Arbeiten Sie noch?</a> fragt er und hängt die unausgesprochene Zusatzfrage dran &#8220;Oder sind sie schon tätig?&#8221;.</p>
<p>Wir müssen uns nicht ganz mit dem achselzuckenden Statement begnügen &#8220;Manche mögen ihre Arbeit eben und andere eben nicht.&#8221; Wer es schafft, in ein im wesentlichen selbstbestimmtes Leben zu finden, in dem die eigene (erwerbsmäßige und nichterwerbsmäßige) Tätigkeit ein im wesentlichen ebenso selbstbestimmter Bestandteil geworden ist, der hat auch Freude daran. Freude an seiner Arbeit und Lebensfreude als solche.</p>
<p><img src="http://farm4.static.flickr.com/3233/3010673019_6996e5ccd0.jpg"/></p>
<p><span style="font-size: 9px"><a href="http://www.flickr.com/photos/24741881@N07/3010673019/">Foto credits</a> according Creative Commons BY-NC-SA 2.0</span></p>
<p>Ich habe jetzt in diesem Augenblick zwei Bauarbeiter in meiner Wohnung. Der eine ist wohl der Chef der Partie und macht alles mit mir aus, der andere ist der &#8220;Hilfshackler&#8221;. Beide arbeiten und kommunizieren sie mit einer Hingabe, Professionalität und Freude, dass es Spass macht zuzusehen. Die Freude auch an schwerer Arbeit entsteht nicht ganz zufällig. Gute Firmen finden gute Leute. Und gute Leute finden gute Firmen&#8230; ich überhäufe die beiden für die ersten getanen Arbeitsschritte mit wohlverdientem Lob. Und sie freuen sich wie zwei frischlackierte Hutschpferde.</p>
<p>Irgendwann gegen Ende seines Lebens wird auch der freudigste (Hand- oder Kopf-) Arbeiter etwas mehr zur Ruhe kommen wollen. Aber auch hier wieder. Gelingt es, diesen Prozess &#8211; der vielleicht für die meisten gar nicht in einem einzelnen Schritt zum &#8220;Ruhestand&#8221; bestehen sollte &#8211; im wesentlichen selbstbestimmt zu gestalten?</p>
<p>Selbstbestimmtheit wächst auf der Basis von Voraussetzungen. Ökonomische Voraussetzungen? Ja, sicher. Politische Voraussetzungen? Natürlich. Allerdings, selbst wenn all die benötigten Bedingungen politischer und ökonomischer Freiheit im wesentlichen gegeben sind, braucht es dann immer noch etwas. <strong>Man muss selber wollen.</strong> Das eine oder andere Risiko dafür auf sich nehmen. Und fast am allerwichtigsten: Man muss ca wissen wohin man will. Und damit meine ich nicht, was man &#8220;werden will&#8221; oder tun will. Das wird sich beim einen nie beim anderen viele Male im Leben ändern. Ich meine vielmehr Dinge wie: weiss ich zb, was ich mir für Arbeitsbedingungen erwarte? Weiss ich zumindest für mich selbst, welches Betriebsklima ich mir selbst zumuten möchte? Bin ich bereit zu gehen und was anderes zu probieren, wenn ich leide?</p>
<p>Schlecht geführte Betriebe leben von fremdbestimmten, leidenden Menschen die trotzdem nie und nimmer gehen würden. Sterbehilfe für schlecht geführte Betriebe ist schon heute legal: <strong>Leute, bitte geht.</strong></p>
<p>Aber warum gehen sie in aller Regel nicht? Wiederum: wenn wir dem Reflex erliegen, <strong>allein</strong> die äusseren zB ökonomischen Bedingungen dafür verantwortlich zu machen, dann haben wir zwar immer ein stückweit recht. Aber der Reflex stammt aus einer Vergangenheit, in der &#8220;die Bedingungen&#8221; wirklich fast alles erklären konnten. Heute und hier in Mitteleuropa können sie zwar immer noch mehr als &#8220;fast nichts&#8221; erklären &#8211; aber doch auch viel zu wenig. Was der Heerschar an Menschen, die hier, heute, jetzt durchaus schon ausreichende Bedingungen für ein mutiges, selbstbestimmtes Leben vorfinden würden noch fehlt ist vor allem anderen die Überwindung der Barrieren im eigenen Kopf.</p>
<p>Wir glauben nicht an uns. Wir wissen es einfach nicht, dass wir selbst wichtig sind. Es hat uns nie jemand gesagt, oder? Wir haben keine Ahnung, wohin es uns bringen kann, wenn wir selbst für uns zu denken und entscheiden beginnen. Wir wissen auch nicht, dass unsere ganz eigene Art zu denken, hätten wir nur mal zu ihr gefunden, auch &#8220;wirtschaftlich&#8221; hochgefragt wäre. Das allerschwierigste für arbeitnehmersuchende Unternehmer ist es unternehmerisch denkende Arbeitnehmer zu finden. Selbst offensichtlich hochintelligente Menschen finden nur allzuoft nicht den Schlüssel zu sich selbst, der sie selbst vom Ausführenden zum Handelnden macht.</p>
<p>Der Homo politicus denkt an dieser Stelle an unser Bildungssystem. Auch dieses krankt vornehmlich an genau dieser Stelle. Wir lernen von klein auf das <strong>Ausführen</strong> statt selbst zu <strong style="color: darkgreen">handeln</strong>, wir lernen zu <strong>wiederholen</strong> statt zu <strong style="color: darkgreen">erfinden</strong>, zu <strong>gehorchen</strong> statt den richtigen Weg zu <strong style="color: darkgreen">suchen</strong>. Zufall? Wohl kaum.</p>
<p>Wir müssen als ganze Gesellschaft erst den Schritt raus aus dem Industriezeitalter machen. Das Fliessband hat ausgedient. In den Fabriken stehen längst mehr Roboter als Menschen. Wir müssen keine Rädchen mehr sein. Was die Menschen emotional verkrüppelt hat, war nie der &#8220;Kapitalismus&#8221;. Es war die (historisch wohl notwendige, unvermeidliche) Phase des &#8220;Industrialismus&#8221;. Die Sozialdemokratie kämpft immer noch &#8211; halbherzig, ok &#8211; gegen ersteren und klammert sich mit verbissenem Stolz an zweiterem fest.</p>
<p>Die Nachricht ist auch zu gut um wahr zu sein. Wir könnten im entwickeltsten Teil des Globus nun vorangehen und den Industrialismus für immer hinter uns lassen. Erster Schritt: alle industriell geprägten Strukturen raus aus den Schulen. </p>
<p>Sehr angstmachend, solang der Roboter im Kopf immer weiterrobotet. Es wird daher wohl doch noch ein, zwei Generationen lang sickern müssen.</p>
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		<title>Wir müssen selbständig werden.</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Dec 2007 19:19:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Schimak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Chorherr]]></category>
		<category><![CDATA[Liberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Lotter]]></category>
		<category><![CDATA[Selbständigkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Damit mir sicher nicht verloren geht, was mir wichtig ist, möchte ich zum 5. Geburtstag meiner &#8220;erstgeborenen&#8221; Tochter einen Text wiederveröffentlichen, der im Juli 2007 bereits einmal auf chorherr.twoday.net erschienen ist:
Jetzt habe ich in einem meiner Blog-Comments hier unlängst also salopp erklärt, dass ich mit einer neuen politischen &#8220;Bewegung&#8221; für das 21. Jh. rechne und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Damit mir sicher nicht verloren geht, was mir wichtig ist, möchte ich zum 5. Geburtstag meiner &#8220;erstgeborenen&#8221; Tochter einen Text wiederveröffentlichen, der im Juli 2007 bereits einmal auf <a href="http://chorherr.twoday.net/stories/4045994">chorherr.twoday.net</a> erschienen ist:</p>
<p>Jetzt habe ich in einem meiner Blog-Comments hier unlängst also salopp erklärt, dass ich mit einer neuen politischen &#8220;Bewegung&#8221; für das 21. Jh. rechne und nun bittet mich Christoph Chorherr dummerweise, das vielleicht ein bisschen genauer zur Diskussion zu stellen. &#8220;Aber zu lang solls auch nicht werden, sonst liests niemand.&#8221; Ganz schön schwierig, einen noch unscharfen Gedanken in aller Kürze zu formulieren, ich versuchs zwar, bin aber eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt. Es mögen also jene wenigen lesen, die es eben trotzdem interessiert.</p>
<p>Ich mache es mir zunächst einfach und stelle die Gegenfrage: Kann sich denn irgendjemand vorstellen, dass der Politikbetrieb auf ewig so weitergehen kann wie bisher? Wir sind an einem Punkt, an dem viele spüren, dass da mehr nicht passt als man noch mit &#8220;ganz normalem täglichen Wahnsinn&#8221; zusammenfassen könnte. Dabei: dass es &#8220;menschelt&#8221;, dass es kreativ-chaotisch zugeht und dass alle durcheinander rufen, das ist schon in Ordnung so. Auch ist nur natürlich, dass es egoistisch denkende Politiker-Exemplare gibt und andere, die &#8211; ob zu recht oder unrecht, aber doch aufrichtig &#8211; meinen, das &#8220;grosse Ganze&#8221; immer fest im Blick zu haben. Wenn ich also sage, &#8220;so kann es wohl nicht weitergehen&#8221;, dann träume ich sicher nicht von idealisierter Politik für Grosstadt-&#8221;Dibos&#8221; oder eine andere wohlsituierte Gruppe &#8211; denn ein solcher Traum bestünde doch nur darin, mir die Vielfalt wegzuträumen, vielleicht gar mir die anderen Menschen wegzuträumen, um meine eigenen politischen Vorstellungen, ja, diktieren zu können.</p>
<p>Nein, das nicht, eher im Gegenteil: ich träume von einer Politik, die sich die Vielfalt geradezu herbeisehnt, die das &#8220;Thema Vielfalt&#8221; verstanden hat und daher den unschätzbaren Wert von &#8220;Vielfalt an sich&#8221; in all ihr Denken und Planen integriert. Und genau das ist es, woran es nach meiner Ansicht recht grundsätzlich und umfassend mangelt.</p>
<p>Ich bin nun im siebten Jahr als Kleinstunternehmer selbständig in einer durchaus vielfältigen, &#8220;menschelnden&#8221; und oft auch sehr chaotischen Branche unterwegs, in der Softwareentwicklung. Meine Eltern waren Beamte, sind mittlerweile zumindest mit einem Bein im Ruhestand. Ich liebe meine Eltern. &#8220;Trotzdem sie auf beamtete Laufbahnen gesetzt haben&#8221;, hätte ich jetzt fast mit einem Augenzwinkern hinzugefügt. Das war ihre Zeit und es war gut so. Der Zukunftsforscher Matthias Horx charakterisiert ein Stück meiner Zeit, wenn er sagt, dass bis 2050 gegen 40% der Erwerbstätigen wirtschaftlich selbständig agieren werden (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,456163,00.html).</p>
<p>Etlichen meiner angestellten und beamteten Freunde bereitet so ein Gedanke tendentiell Unbehagen. Nun werden wir also alle &#8220;prekarisiert&#8221;! Ich frage: &#8220;Waren wir nicht in der Vergangenheit noch viel mehr Unsicherheiten ausgesetzt als wir es heute selbst unter schlechten Umständen je sein können?&#8221; Achselzucken. Den Schatten unserer industriell geprägten Vergangenheit &#8211; dieses Gefühl der Marginalisierung des Individuums im Grossbetrieb bei gleichzeitiger Abhängigkeit &#8211; den haben wir noch nicht abgeschüttelt. Auch vermuten etliche meiner angestellten und beamteten Freunde unter den Selbständigen die grössten Egoisten, diejenigen also, die mehr vom Kuchen wollen als ihnen zustünde. Ich hingegen habe in meinem langsam wachsenden Netzwerk an selbständigen Freunden und Bekannten mit die besten und &#8220;komplettesten&#8221; Menschen kennengelernt. Menschen, die sich für &#8220;ihr Ding&#8221; vielleicht manchmal selbst ausbeuten, aber sonst sicher niemanden. Ich schliesse für mich: Wer im 21. Jh. auf eigenen Beinen steht lernt anscheinend ganz zwanglos den Wert von Kooperation, Weltoffenheit und, ja, von Humanismus. Aber die Schatten der industriell geprägten Vergangenheit, dieses Mal in Form von Vorbehalten gegenüber einer die Verhältnisse beherrschenden &#8220;Burgeoisie&#8221;, wir haben sie zweifellos noch nicht abgeschüttelt.</p>
<p>Müssen wir nun also alle wirtschaftlich selbständig werden? In Zukunft werden sich wohl immer mehr für diesen (spannenden) Weg entscheiden, aber um die Frage zu beantworten: Nein, das passt schlicht nicht zu jedermann und jederfrau. Das Gute ist doch: &#8220;Wir&#8221; (als Gesellschaft betrachtet) &#8220;müssen&#8221; zunehmend gar nichts mehr. Wir können es uns mittlerweile leisten, zu überlegen, was wir nun eigentlich noch &#8220;wollen&#8221;. Nur eins &#8220;müssen&#8221; wir dafür noch leisten: Wir müssen lernen selbständig zu denken, müssen uns selbst mitsamt allen unseren Wünschen kennenlernen, und dann auch ernst nehmen und danach handeln. In dieser Hinsicht müssen wir alle selbständig werden.</p>
<p>Was aber könnte mehr &#8220;Selbständigkeit&#8221; und mehr &#8220;Vielfalt&#8221; für konkrete politische Fragen bedeuten?</p>
<p>- Eine Demokratiefrage: Wie wir beinah Tag für Tag beobachten können, führt unser repräsentativ-parlamentarisches System in der Praxis zu etwas, das ich &#8220;Vetorecht für Minderheiten&#8221; nenne. Der Koalitionsvertrag geht über alles. Solange Koalitionsparteien nur den Bogen nicht so extrem überspannen, dass der Partner in für ihn vielversprechende Neuwahlen gehen kann, können sie gegen existierende parlamentarische Mehrheiten in Sachfragen ihr &#8220;Vetorecht&#8221; geltend machen. Aber eigentlich ist dieses Phänomen auch nur ein Teilaspekt eines Systems, das die Festschreibung von geblockten Mehrheiten über vier oder in Zukunft gar fünf Jahre zum alleinigen Mittel demokratischer Willensbildung auserkoren hat. Warum dies in einer vielfältiger gewordenen Gesellschaft nicht mehr funktioniert, darüber müsste man wohl eine eigene Diskussion führen, ich möchte nur den offensichtlichen &#8220;Selbständigkeits&#8221;-Aspekt herausgreifen: Moderne, selbständig denkende Menschen pflegen nicht mehr mit drei Kreuzen zu unterschreiben und können auch ihre politischen Wünsche differenzierter zum Ausdruck bringen als durch Anbringung eines Kreuzes auf einem Blatt Papier. Das hiesse wohl: ab und an auch direkt über die Sachfrage entscheiden. Zumindest dann, wenn sie wichtig genug ist oder die Politiker selbst einer guten Lösung im Wege stehen, wie das zB im Bereich von Transparenzregeln für Parteienfinanzierung ganz sicher der Fall ist. Dafür braucht die Bevölkerung das Recht, Volksabstimmungen zu erzwingen. Mehr direkte Demokratie ist dabei sicher kein &#8220;Allheilmittel&#8221;, würde aber die verkrusteten Strukturen einigermassen aufmischen, und jedenfalls das Interesse an Politik und die Informiertheit über Sachfragen erhöhen.</p>
<p>- Eine Alltagsfrage: Wir denken über ein kostenloses Kindergartenjahr oder ein Vorschuljahr nach. Wenn das die Chancen unserer Kinder fördert, zu selbständigen, vielfältig kreativen Individuen heranzuwachsen: wunderbar. Worüber wir aber im selben Atemzug viel zu wenig nachdenken: wie sorgen wir dafür, dass vorhandene Vielfalt dadurch nicht unter Druck kommt: Private Kindergartenangebote werden nur dann eine Chance haben, neben öffentlichen Gratiskindergärten zu bestehen, wenn das Förderungssystem alle in vollkommen fairer und transparenter Weise miteinbezieht und derart Vielfalt bewusst vermehren will. Öffentliche Kindergärten gratis zu machen, wird sicher zuwenig sein. Aber auch den öffentlichen Zuschuss zum Kindergartengeld beim Besuch eines Privatkindergartens direkt auszuzahlen (wie das schon heute geschieht), daneben aber öffentliche Kindergärten durch die Hintertür zusätzlich zu subventionieren, wird zu wenig sein! Übrigens: meine Frau und ich müssen für unsere Kinder schon deshalb auf einen Privatkindergarten zurückgreifen, weil sich die öffentlichen Kindergärten mit ihren Öffnungszeiten derzeit weitgehend als Betriebskindergärten für VolksschullehrerInnen positionieren. Wäre das System auf Vielfalt und nicht auf Vereinheitlichung ausgerichtet, unser individueller Kindergartenbedarf wäre längst als Marktnische erkannt und abgedeckt worden.</p>
<p>- Und eine Zukunftsfrage: Der Klimawandel beschäftigt uns. Wir müssen Energie sparen. Einer von einer ganzen Reihe an vielversprechenden Wegen dorthin führt über Investitionen in Passivhausbau. Wir sollten also Passivhausbau massiv fördern oder vielleicht sogar zumindest für Neubauten verpflichtend vorschreiben. Moment mal. Ist das denn wirklich der richtige Weg? Die Rede ist von massiven Investitionen&#8230; gibt es vielleicht alternative Investitionsmöglichkeiten, mit denen wir in noch kürzerer Zeit noch mehr erreichen als durch Passivhausbau? Und wie energiesparend genau sollen wir die Häuser nun idealerweise bauen&#8230; unsere Mittel sind begrenzt&#8230; Das ist genau die Art von Frage, die sich an keinem grünen Tisch der Welt entscheiden lässt &#8211; für das Auffinden der erfolgversprechendsten Investitionsmöglichkeiten brauchen wir einen bunten Markt an Ideen. Diesen Ideenmarkt erwürgen wir geradezu, wenn wir einen einzelnen Weg zum Ziel politisch vorschreiben &#8211; auch wenn er uns noch so plausibel erscheint. Wir beflügeln diesen Ideenmarkt, wenn wir dafür sorgen, dass das eigentliche Übel (in diesem Fall die Emission von CO2) einen dynamischen Preis erhält. Dieser ist immer genau so hoch, dass wir uns nur jenen Verbrauch, den wir uns politisch leisten wollen, auch praktisch leisten können&#8230; die wirklich effizientesten Sparmethoden findet der Ideenmarkt dann ganz allein. Aber nochmal Moment: Ist es denn so sicher, dass wir nun auf ewig Energie sparen müssen, weil eben die Ressourcen zur Neige gehen? Ist es denn völlig ausgeschlossen, dass wir schon morgen völlig neue Methoden der Energienutzbarmachung finden, mit denen sich selbst hartgesottenste Ökoromantiker anfreunden können? Ich glaube, es ist nur dann ausgeschlossen, wenn wir den Glauben an diese Möglichkeit schon verloren haben. Vielleicht wäre also die massive Investition in weitere Energieforschung neben der Durchsetzung von Kostenwahrheit die beste aller denkbaren politischen Massnahmen in diesem Bereich.</p>
<p>Nun schon fast zum Abschluss: Unterscheiden sich solche Positionen eigentlich vom &#8220;klassischen Liberalismus&#8221;? Der klassische Liberale hat meist ein blindes Auge: Hätte er das Auge noch, dann würde er sehen, dass uns formale Freiheit allein real nichts nützt. Der einzelne Mensch ist ein biologisch und eigentlich ganz generell schwächliches Wesen. Er braucht menschliche Gesellschaft um sich herum, die ihm die volle Entfaltung seiner Fähigkeiten erst ermöglicht &#8211; und diese Gesellschaft will organisiert sein. Mit seinem sehenden Auge aber sieht der klassische Liberale dann genau diesen allgegenwärtig unsere Gesellschaft organisierenden Staat: dieser nimmt uns unsere materiellen Mittel auf der einen Seite weg und versucht uns mit genau diesen Mitteln auf der anderen Seite zu umgarnen &#8211; selbstredend immer abzüglich der Verwaltungsgebühr. Der Staat nimmt uns damit unser gerade gewonnenes Stück Freiheit gleich wieder und verunmöglicht im Effekt die angestrebte Entfaltung des Individuums in der Gesellschaft. Diese klassisch liberale Sicht ist wichtig und verdient es, im Hinterkopf stets präsent gehalten zu werden. Sie ist aber eben eine einäugige Sicht und vor allem: sie verleitet dazu das Kind mit dem Bade auszuschütten, die Existenz &#8220;öffentlicher Anliegen&#8221; als solche zu negieren, das &#8220;Gemeinwesen&#8221; zu diskreditieren. Skepsis gegenüber dem Staat als &#8220;grossem Vereinheitlicher&#8221; ist angebracht, Diskreditierung ist fehl am Platz. Wir haben massive gemeinsame, &#8220;öffentliche&#8221; Interessen. Neben vielem anderen zum Beispiel auch das Interesse, Selbständigkeit und Vielfalt zu fördern und abzusichern!</p>
<p>Wenn ich mir aber nun beispielhaft wieder die österreichische politische Landschaft vergegenwärtige und an SPÖ, ÖVP und, ja, auch an euch Grüne denke (habe ich sonst jemand vergessen?), dann sehe ich leider keine Vielfalts- und Selbständigkeitsförderer, sondern ich sehe die Vereinheitlicher am Werk: ob Einheits-Lohnrunde, Einheits-Kleinfamilie oder Einheits-Nichtraucherlokale: es muss ja nicht unbedingt etwas Schlechtes dran sein, seine eigenen Vorstellungen einheitlich vorschreiben zu wollen, lediglich: es muss verdammt gute Gründe dafür geben. Um jede Vorschrift muss intensiv gestritten werden, denn das Mittel &#8220;Vorschrift&#8221; bringt selbst jede Menge Probleme mit sich. Eine grosse, gesunde Portion Skepsis ist angebracht, bevor man im 21. Jh. noch &#8220;Ja&#8221; sagt zur Vorschrift, zur Normierung, zur Vereinheitlichung. Vereinheitlichung ist ein Konzept des Industriezeitalters. Vereinheitlichung vermindert die Möglichkeiten, vielfältige Alternativkonzepte praktisch vorzuleben. Genau das ist es aber, wovon wir mehr brauchen um letztlich mit der Lösung unserer Probleme voranzukommen.</p>
<p>Auf das grösste Ausmass an Verständnis stosse ich mit solchen Gedanken unter meinen selbständigen Freunden und Bekannten. Stelle ich mir dann kurz vor, wir wären schon heute 40% und zähle ich zu diesen ganz salopp noch jene 40% dazu, die sich in Zukunft in aller Selbständigkeit gegen die (wirtschaftliche) Selbständigkeit entscheiden werden, dann ist das für mich Grund genug, eine neue &#8220;Bewegung&#8221; zu antizipieren. Diese Bewegung wird keinesfalls eine &#8220;unpolitische&#8221;, aber in gewisser Hinsicht vielleicht eine &#8220;antipolitische&#8221;: Sie wird das Tor zu immer grösserer Vielfalt weit aufmachen und vor allem verstehen, dass wir die Problemlösungen von morgen noch nicht kennen, dass wir daher auch nicht so ohne weiters unsere heutigen Lösungen oktruieren dürfen. Sondern dass wir durch Ausprobieren, Verwerfen, Vorzeigen, Beispiel nehmen laufend weiterlernen müssen. Um morgen dann &#8211; vielleicht! &#8211; wirklich einen Schritt weiter zu sein.</p>
<p>&#8211;</p>
<p>Mit einem besonderen Dankeschön an Wolf Lotter, einen der Mitbegründer von brand eins, dessen Lektüre mir dabei geholfen hat, Gedanken die ich wohl schon immer hatte heute um einiges besser formulieren zu können.</p>
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		<title>Verteidigung</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Dec 2007 10:45:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Schimak</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Christoph Chorherr klagt an und ich frage mich daher einfach mal, wie sich in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit bis zur Kyoto &#8220;Deadline&#8221; eine politisch glaubwürdige Verteidigung aufziehen liesse.
Wir lernen doch aus den Medien, dass Österreich mit &#8220;Pönalen&#8221; in Milliardenhöhe zu rechnen habe, wenn wir die Kyoto-Ziele verfehlen. Das &#8220;Verfehlen&#8221; bedeutet aber in diesem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Christoph Chorherr <a href="http://chorherr.twoday.net/stories/4500769">klagt an</a> und ich frage mich daher einfach mal, wie sich in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit bis zur Kyoto &#8220;Deadline&#8221; eine politisch glaubwürdige Verteidigung aufziehen liesse.</p>
<p>Wir lernen doch aus den Medien, dass Österreich mit &#8220;Pönalen&#8221; in Milliardenhöhe zu rechnen habe, wenn wir die Kyoto-Ziele verfehlen. Das &#8220;Verfehlen&#8221; bedeutet aber in diesem Kontext lediglich, dass wir die Einsparungen nicht im eigenen Land erreichen, und daher in Folge gezwungen werden, woanders &#8220;Gutes&#8221; zu tun: indem wir CO2-Emissionen senkende Projekte finanzieren.</p>
<p>Ich liesse mir als Verteidiger daher ein hochseriöses Gutachten der besten uns zur Verfügung stehenden Ökonomen und Klimaexperten anfertigen, aus dem sich ergeben würde, dass wir genau genommen schon immer zwei Möglichkeiten hatten, ambitionierte CO2 Einsparungsziele zu &#8220;erreichen&#8221; &#8211; eine mit weniger Einsparungspotential pro Euro und eine mit mehr. Mein Gutachten ergäbe dann in etwa folgendes Bild:</p>
<p>1. Indem x Mrd Euro Aufträge an Unternehmen vergeben werden, die die Energie-Effizienz der eigenen Volkswirtschaft verbessern liesse sich die geforderte Menge N Tonnen an CO2 nachhaltig einsparen.</p>
<p>2. Indem dieselben x Mrd Euro an Aufträgen vergeben werden, die nun aber die Energie-Effizienz fremder Volkswirtschaften verbessern liesse sich eine Menge weit grösser als N Tonnen CO2 einsparen &#8211; weil die Energieeffizienz woanders noch weit schlechter ist als bei uns und Einsparungen daher dort bis auf weiteres weit billiger zu erreichen sind.</p>
<p>Für welche Variante sollen wir uns dann entscheiden, wenn die Sorge ums Klima im Vordergrund steht?</p>
<p>Die Politik könnte natürlich die Variante 2 auch dazu nutzen, uns auf die Einsparung der minimal geforderten N Tonnen CO2 im Ausland zu beschränken, dafür aber weit weniger investieren zu müssen als wenn diese Einsparungen im eigenen Land erreicht werden müssten. Praktisch betrachtet wäre entscheidend, welcher Linie (partei-)politisch der Vorzug gegeben wird: Wollen wir ums gleiche Geld CO2-Einsparungs-Weltmeister werden oder wollen wir lieber unser Budget-Gerstl zusammenhalten und die Hausaufgaben gerade mal so in letzter Minute hinkritzeln&#8230;</p>
<p>Richtig bleibt in beiden Fällen, dass (derzeit) im Ausland um weniger Geld mehr Einsparung zu erreichen ist. Und die spannendste Frage bleibt daher auch, ob wir an diesem entstehenden Riesen-Markt mit unseren eigenen Leistungen teilnehmen wollen: Soll unser Geld in heimische und europäische Unternehmen investiert werden oder in US-amerikanische und asiatische Klimaschutzspezialisten?</p>
<p>Freilich: Ich rechne weder mit einem Mandat für die Verteidigung, noch würde ich ein solches für diese Angeklagten mit vollem Elan annehmen wollen.</p>
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		<title>Geburtstag!</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Nov 2007 10:38:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Schimak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Chorherr]]></category>
		<category><![CDATA[Netz]]></category>
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		<description><![CDATA[Und ich schenk mir mal ein Weblog. Was das werden wird? Keine Ahnung noch. Sicher werde ich nicht ausschliesslich über mehr oder weniger aktuelle Politik parlieren, so wie auf dem von mir seit zwei Jahren mit grosser Freude mitkommentierten http://chorherr.twoday.net.
Der geistig erstarrten Bastille begegnen wir nicht nur in der Politik, sondern beinah überall&#8230; und nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und ich schenk mir mal ein Weblog. Was das werden wird? Keine Ahnung noch. Sicher werde ich nicht <strong>ausschliesslich</strong> über mehr oder weniger aktuelle Politik parlieren, so wie auf dem von mir seit zwei Jahren mit grosser Freude mitkommentierten <a href="http://chorherr.twoday.net">http://chorherr.twoday.net</a>.</p>
<p>Der geistig erstarrten Bastille begegnen wir nicht nur in der Politik, sondern beinah überall&#8230; und nicht zuletzt in uns selbst. Und so bleibt uns nur die tägliche Herausforderung, sie immer wieder neu zu erstürmen&#8230;</p>
<p>Oder vielleicht sag ich besser: die wöchentliche Herausforderung? Ein Weblog soll Spass machen, es soll sich entwickeln, und es darf aber auch, nein, es soll und muss früher oder später den Weg alles Irdischen gehen.</p>
<p>Ich freu mich!</p>
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