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Herr Lebemann und Frau Sparefroh.

13. Januar 2008 9 Kommentare

Ist es gerecht, richtig, sinnvoll, klug (bitte ergänzen…) auf das Vermögen von Pflegebedürftigen zuzugreifen, bevor die Gesellschaft für die Kosten der Pflege aufkommt? Sehen wir uns dazu mal kurz die Vermögensgrenzen an, bis zu denen das Vermögen abgeschöpft wird, wenn Pflegegeld und Pension nicht reichen:

Vermögensgrenzen bei stationärer Pflege

Besonders brutal hier die Steiermark: Alles muss weg. Die meisten anderen lassen einem zumindest die Begräbniskosten. Aber für alle Bundesländer gilt: auch die Eigentumswohnung wird verwertet. Dann wird die Übersiedlung ins Pflegeheim vollends zur Einbahnstrasse: es gibt kein realistisches Zurück mehr.

Aber überlegen wir dazu vor allem auch mal folgendes: Wenn ein fiktiver Herr Lebemann und eine fiktive Frau Sparefroh in ihrem Leben exakt gleich viel Einkommen hatten, aber gänzlich andere Prioritäten gesetzt haben, wie wirkt sich das dann auf ihre Vermögenssituation im Alter aus?

Herr Lebemann liebte das Reisen und verwendete sämtliches frei verfügbares Einkommen darauf, die Welt in möglichst vielen bunten Facetten kennenzulernen. Frau Sparefroh hingegen war zwar auch kein Kind von Traurigkeit, dachte aber, dass sie im Alter gerne etwas unabhängiger leben würde – und vielleicht mal den Enkerln helfen möchte – und dafür später etwas Geld brauchen könnte. Und legte daher einen Teil ihres Einkommens regelmässig weg: trotz sehr kleiner Beträge ersparte sie sich so im Laufe vieler Jahrzehnte mit Zins und Zinseszins das Sümmchen von 75.000 Euro.

Wenn Herr Lebemann und Frau Sparefroh heute beide 85 sind und aufgrund plötzlich auftretender gesundheitlicher Probleme “bettlägrig” werden, dann sorgt der Staat dafür, dass sie stationär betreut werden.

Sorgt wirklich der Staat dafür? Frau Sparefroh muss auch mit ihren 75.000 Euro dafür aufkommen, nur Herrn Lebemanns Pflegekosten werden vollständig übernommen – und wir erinnern uns: wir haben fiktiv vorausgesetzt, die beiden haben in ihrem Leben exakt die gleiche Summe an Einkommen erzielt! Es gibt keinerlei “sozialen” Unterschied zwischen ihnen.

Wirklich keinen sozialen Unterschied? Einen gibt es eben doch: Wenn die 75.000 Euro von Frau Sparefroh durch Pflegekosten aufgebraucht sein werden, wird Herr Lebemann unter Einrechnung der staatlichen Umverteilung um exakt diesen Betrag mehr Lebenseinkommen erzielt haben als Frau Sparefroh: genau jene 75.000 Euro mehr, für die Herr Lebemann sich die Welt angesehen hat.

Arme Frau Sparefroh… sie wollte für ihr Alter und ihre Enkel vorsorgen, hat aber genau genommen die Urlaube von Herrn Lebemann finanziert.

Ich bin kein Verfassungsrechtsprofessor – aber für mich ist genau das keine “Gleichheit vor dem Gesetz”. Mal ganz abgesehen von dem Signal, das wir damit an jene Sparer aussenden, die mit ihrem Verhalten eigentlich Verantwortung für sich und ihr Leben übernehmen wollen: Rettet Euch doch so rasch als möglich in die Illegalität eines Schweizer Nummernkontos. Auf österreichisch-legalem Weg setzt ihr euch der Gefahr aus, dass ihr am Ende zu den Dummen gehört.

Die Arbeitsbeschaffer.

9. Dezember 2007 1 Kommentar

Der Wirtschaftsminister sagt, er will es, der Kanzler will es sowieso, die Opposition will erstaunerlicherweise dasselbe, auch das Steuersystem möge bitte dazu beitragen, und eigentlich sollte sich die ganze Gesellschaft in den Dienst der guten Sache stellen, denn: Sozial ist, was Arbeit schafft.

Alle rufen: Hurra, wir wollen Arbeit schaffen!

Schon seltsam: auch in meiner kleinen Welt begegnen mir zwar ständig meine “ganz privaten” Arbeitsbeschaffer – in Gestalt von Kollegen, Vorgesetzten, Kunden, Lieferanten, Freunden und Verwandten… und dennoch fällt es mir gar nicht schwer, zuzugestehen, dass ich besonders jene wenigen schätze, die meine Arbeit eben nicht ständig vermehren und immer umfangreicher gestalten. Und ja, einzelne von mir ganz besonders geschätzte Menschenexemplare reduzieren mein Pensum sogar manchmal!

In der Politik hätten diese von mir so geschätzten Arbeitsreduzierer wohl kein “Leiberl”. Denn dort gehts ja ums Gegenteil: Arbeit schaffen!

Dabei, auch wenn Politiker nicht gern darüber sprechen, ich bin mir eigentlich sicher: wenn das grelle Licht der Fernsehkameras abgeschalten wird, der Tagesstress des schwersten Jobs der Welt von einem abfällt und man dann für wenige Stunden Schlaf ins traute Heim zurückkehren darf – dann ist man auch als Politiker ganz froh, dass es Waschmaschinen und Geschirrspüler gibt, die einem die Arbeit ein klitzekleinwenig erleichtern und abnehmen…

Mmh, was läuft hier eigentlich so anders? Bei jedem Markt dieser Welt akzeptieren wir es bereitwillig als sinnvoll, dass durch Angebot und Nachfrage optimiert wird, dass also vereinfacht gesagt, von allem so wenig wie möglich verbraucht wird. Nur einem Markt würden wir gerne die Sparsamkeit abgewöhnen: dem Arbeitsmarkt. Nur auf diesem Markt soll der Verbrauch der angebotenen Ressource (Arbeit) nicht auf das notwendigste Mass reduziert werden, sondern soll möglichst viel Arbeit “geschaffen” werden.

Der Arbeitsmarkt “funktioniert” gemäss dieser häufig anzutreffenden Definition tatsächlich nur dann, wenn er das Gegenteil von dem tut, was alle anderen Märkte tun: wenn er verschwendet.

Die Logik unserer politischen Arbeitsbeschaffer – sie funktioniert schon lange nicht mehr.

Ist Mammon schenken schnöde?

1. Dezember 2007 1 Kommentar

Weihnachten naht und in meinem engeren Freundeskreis ist – als Nebenschauplatz zwar, aber doch – ein kleiner Streit entbrannt: “Geldgeschenke find ich oberflächlich und unpersönlich!” lautet eine klare Meinung zum Thema.

Versetzen wir uns mal kurz in die Situation des Beschenkten mit den Scheinchen in der Hand? Was geht uns da durch den Kopf? Wo kann ich das bloss umtauschen? Dieses Problem stellt sich hier wohl weniger, denn wenn es eine Sache gibt, die am leichtesten von allen Sachen “umgetauscht” werden kann, dann ist es wohl zweifellos Geld – das “Umtauschmittel” schlechthin…

Geld bietet für den Beschenkten objektiv unbestreitbare Vorteile: Es ist ein universell verwertbarer Gutschein, bei dem der Schenker die Freiheit des Beschenkten in keiner Weise eingeschränkt hat. Und genau deshalb musste er natürlich auch nicht nachdenken über den Beschenkten, musste keine Arbeit investieren, nur das Börsl zücken und über den Betrag entscheiden – das Problem meines Freundes: “Oberflächlich und unpersönlich!”

Und eins ist auch recht klar: Die Aus-Tauschbarkeit von Geld macht Geldgeschenke unter “Gleichen” (Freunden, Geschwistern) tendentiell absurd: Niemand will unter dem Weihnachtsbaum einen 50 Euro Schein einmal im Kreis gehen lassen…

Andererseits kann ein Geldgeschenk unter “Ungleichen” aber doch auch Ausdruck von Grosszügigkeit, “Teilen-Wollen” oder Respekt vor der Freiheit des Anderen sein. Wenn Eltern ihrer halbwüchsigen Tochter gerne etwas geben wollen und sich eingestehen können, dass sie ihre Interessen und Vorlieben nun eigentlich nicht mehr so recht kennen, dann schenken sie mit Geld auch ein Stück Freiheit – und respektieren, dass die Tochter nun langsam flügge wird…

Dass man mit Geldgeschenken natürlich auch dort für Licht sorgen kann, wo es ohne dieses Licht hauptsächlich dunkel wäre, blieb noch ganz unerwähnt.

Ich plädiere im Zweifel auf Freispruch für Geldschenkende vom Vorwurf der Oberflächlichkeit: Mammon schenken muss nicht immer schnöde sein!