<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Brainstorming the Bastille &#187; Liebe</title>
	<atom:link href="http://martin.schimak.at/tag/liebe/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://martin.schimak.at</link>
	<description>Brainstorming the Bastille</description>
	<lastBuildDate>Tue, 27 Jul 2010 12:30:55 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.8.3</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Sauerstoff, Zucker, Liebe, Arbeit, Mord.</title>
		<link>http://martin.schimak.at/2009/07/sauerstoff-zucker-liebe-arbeit-mord/</link>
		<comments>http://martin.schimak.at/2009/07/sauerstoff-zucker-liebe-arbeit-mord/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 04 Jul 2009 12:13:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Schimak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
		<category><![CDATA[Todesstrafe]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://martin.schimak.at/?p=1058</guid>
		<description><![CDATA[Gestern abend habe ich dem Sommer Open Air Kino wie noch nie des Filmarchivs Austria am Wiener Augartenspitz einen ersten Besuch abgestattet. 


Die Atmosphäre des Kinos ist für einen urbanen Ort durch fast schon kitschig idyllische Naturromantik geprägt: inmitten verwachsener Bäume ein angenehm dimensioniertes nach Wald duftendes Freiluftkino (unbedingt nach einem ordentlichen Sommergewitter hingehen). Beim [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern abend habe ich dem Sommer Open Air <a href="http://www.kinowienochnie.at/">Kino wie noch nie</a> des Filmarchivs Austria am Wiener Augartenspitz einen ersten Besuch abgestattet. </p>
<p><a href="http://www.kinowienochnie.at/"><img src="http://martin.schimak.at/wp-content/uploads/2009/07/kinowienochnie.png" alt="Kino wie noch nie" title="Kino wie noch nie" width="95" height="120" class="size-full wp-image-1062" style="float:left; margin-left: 120px; margin-right: 30px"/></a></p>
<p><a href="http://www.filmarchiv.at/"><img src="http://martin.schimak.at/wp-content/uploads/2009/07/filmarchiv.gif" alt="Filmarchiv" title="Filmarchiv" width="125" height="120" class="size-full wp-image-1061" /></a></p>
<p>Die Atmosphäre des Kinos ist für einen urbanen Ort durch fast schon kitschig idyllische Naturromantik geprägt: inmitten verwachsener Bäume ein angenehm dimensioniertes nach Wald duftendes Freiluftkino (unbedingt nach einem ordentlichen Sommergewitter hingehen). Beim Eintritt bekommt man gut dimensionierte Decken &#8211; für den Fall der Fälle &#8211; und auf jedem Platz liegt eine kleine Tafel Begrüssungsschokolade. Da das Kino nicht voll war konnte man alsbald auch die Nachbarschokoladen &#8220;stiebitzen&#8221;. Ausgestattet mit Unmengen an sommerabendlich warmer, sauerstoffreicher Luft und kleinen Mengen Zucker war es also kein Problem dem überlangen Streifen hochkonzentriert zu folgen &#8211; immer voll bei der Sache.</p>
<p>Der überlange Streifen: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lars_von_Trier">Lars von Triers</a> <strong>Dancer in the Dark</strong> mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bj%C3%B6rk">Björk</a> in der Hauptrolle, nein, vollständig verwachsen und eigentlich ident mit ihr, und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Catherine_Deneuve">Catherine Deneuve</a> in der wichtigsten Nebenrolle. Ich kannte diesen aus dem Jahr 2000 stammenden und vielfach ausgezeichneten Film &#8211; unter anderem mit der Goldenen Palme von Cannes &#8211; noch gar nicht. Und so unvorbereitet und arglos ich hineinging, so wuchtig und aufwühlend schlug er dann eben auch ein.</p>
<p>Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dancer_in_the_Dark#Handlung">Handlung</a> kann man <a href="http://www.imdb.com/title/tt0168629/plotsummary">nachlesen</a>, aber keine Nacherzählung kann diesem filmischen wie musikalischen Kunstwerk annäherend gerecht werden. Ich möchte auch nur einen szenischen Aspekt herausgreifen und dann versuchen sowas wie ein Fazit oder eine kleine &#8220;Lehre&#8221; für mich zu ziehen. Man darf weiterlesen, ohne die Handlung vollständig verraten zu bekommen.</p>
<p><img src="http://martin.schimak.at/wp-content/uploads/2009/07/fabrik.png" alt="Björk und Catherine Deneuve in &quot;Dancer in the Dark&quot;" title="Björk und Catherine Deneuve in &quot;Dancer in the Dark&quot;" width="448" height="308" class="size-full wp-image-1071" /></p>
<p>Das Leben der hochmusikalischen, hocheinfühlsamen Blechfabriksarbeiterin Selma dreht sich, <strong>vor</strong> genauso wie <strong>nach</strong> dem tiefen Einschnitt, dem es ausgesetzt wird, um die Liebe zu ihrem einzigen Sohn. Ihm möchte sie durch jahrelanges, eisernes Sparen eine teure Operation finanzieren. Er soll damit ihrem eigenen Schicksal einer genetisch bedingten Erblindung in der Mitte des Lebens durch einen rechtzeitigen Eingriff entrinnen. Ihm war daher auch schon die Auswanderung aus der damaligen Tschechoslowakei in die Vereinigten Staaten von Amerika gewidmet, dem Land, in dem eine solche Operation medizinisch möglich schien. Warum und wie diese ihre aufopfernde Konsequenz mit der immer heiteren und vollständig im Hier und Jetzt verwurzelten Selma vereinbar ist kann man nur fühlen, wenn man den Film sieht.</p>
<p>Der folgende zentrale Einschnitt in Selmas Leben stellt nun zwar einen massiven Wendepunkt der äusseren Ereignisse dar, nicht jedoch einen Wendepunkt in der Konsequenz ihrer Bemühungen rund um den von ihr selbst definierten und oben beschriebenen Sinn ihres eigenen Daseins. </p>
<p><strong>Selma tötet ihren Vermieter, den lokalen Sheriff.</strong> Diese bar jeder Gewaltlüsternheit und dennoch knallhart direkt abgefilmte, ganz und gar detailliert realistische, wie gleichzeitig in ihrer Genese völlig absurde Szene gehört wohl mit zum Schockierendsten, das ich jemals auf einer Leinwand gesehen habe. Schockierend nur teilweise wegen der zu sehenden Gewalt, sondern vor allem auch deshalb, weil die nunmehr bereits erblindete Selma, die mit dem Sheriff um das von diesem ihr zuvor entwendete Ersparte kämpft durch eine Abfolge an kleinen Ereignissen und Wendungen in eine Tathandlung hineingezogen wird, die juristisch eine nahezu unentwirrbare Kombination aus Notwehr, Unfall, Tötung auf Verlangen, Totschlag und Mord darstellt. Schockierend auch deshalb, weil man als Zuschauer vollständig Selma ist und sich mit ihr gemeinsam dem Sog eines letztlich unvermeidlich nachvollziehbaren, nicht nur mitgefühlten, sondern bis zu einem gewissen Grad auch mitgewollten Tötungsvorgangs kaum entziehen kann. Schockierend schlussendlich, weil man nach dem Betrachten der Szene bereits <strong>weiß</strong>, dass sich die Komplexität des eigentlichen Geschehens für die nicht unmittelbar beteiligte Aussenwelt geradezu unentrinnbar als vielleicht sogar relativ ordinärer Raubmord darstellen wird müssen.</p>
<p><img src="http://martin.schimak.at/wp-content/uploads/2009/07/selma.png" alt="Björk als Selma Jezkova" title="Björk als Selma Jezkova" width="448" height="367" class="size-full wp-image-1063" /></p>
<p>Es gibt in diesem Film nichts individualisierbar zutiefst &#8220;Böses&#8221;, nur zutiefst Gescheitertes. In ihrem Scheitern vorgeführt sind nicht nur einzelne Individuen, ist nicht nur der Glaube an die Sinnhaftigkeit der Todesstrafe, sondern letztlich auch eine Gesellschaft, die sich nahezu ausschliesslich auf privat organisierte Netze für das Scheitern des Einzelnen verlässt. Das so notwendige wie wünschenswerte Amalgam privater, sozialer Beziehungen bestehend aus den Möglichkeiten gegenseitiger Leistungen und des Geldes, aber genauso auch menschlicher Freundschaft, Zusammengehörigkeit und gegenseitigem Mitgefühl reicht am Ende nicht um Selma <strong>und</strong> ihren Sohn zu retten. </p>
<p>All das findet statt inmitten einer Szenerie von Menschen, die im besten altruistischen wie gesund-egoistischen Sinn &#8220;ganze&#8221; Menschen sind, amerikanische Bürger, die hochaktiv und verständig ihr Glück im Hier und Jetzt verfolgen, ohne per se Ansprüche an Andere zu stellen oder Anderen im Weg stehen zu wollen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://martin.schimak.at/2009/07/sauerstoff-zucker-liebe-arbeit-mord/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
