Schmähstad.
Wenn Martin schmähstad ist muss misik einspringen. Und macht Martin dann restlos schmähstad. Denn besser kanns wohl kaum gesagt werden, was gesagt werden musste:
http://www.misik.at/texte-aus-dem-standard-wien/no-they-cant.php
Wenn Martin schmähstad ist muss misik einspringen. Und macht Martin dann restlos schmähstad. Denn besser kanns wohl kaum gesagt werden, was gesagt werden musste:
http://www.misik.at/texte-aus-dem-standard-wien/no-they-cant.php
Peinlich sind Herrn Misik die nun im Vorfeld der EM 2008 immer öfter auf den Strassen Österreichs anzutreffenden rot-weiss-roten Autowimpel. So “richtig aggressiv” macht ihn das “grundlose Ins-Fenster-Geklemme”, so aggressiv, dass er seinen eigenen Wimpel am Ende der dieswöchigen FS Misik Folge (”Patrioten, Idioten?”) mit gutem Grund an den Rand seiner Klobrille klemmen muss.
Ich bin weder Fussballfan noch Autofahrer, aber hat der Mann wirklich keine anderen Sorgen mehr, als sich über kleine, unbedeutende Alltagsfreuden anderer Menschen zu mokieren?
Doch, eine ganz konkrete Sorge hat er: er muss seinen wöchentlichen Beitrag irgendwie anfüllen. Und da seine Wimpelverklemmung für einen Beitrag nicht ganz reicht, leitet er also ganz heiter vom Thema “Dummheit” zum Thema “Wissen” über, und unterlegt die Aussage, dass “Experten nicht immer leicht vom Scharlatan zu unterscheiden” seien mit… na zB Roland Berger, Matthias Horx, Hans-Werner Sinn und Wolfgang Bachmayer. Eh alles eins, eh alles wurscht? Bachmayer schreibt sich übrigens mit “ay”, aber ein (neoliberaler) Meier ist eben ein Meyer, ist ein Maier und bleibt ein Mayer…
Und daher also in Folge zum Drüberstreuen auch noch ein bisschen Kritik am “neoliberalen Wissensmodell”, ein Modell, in dem das “unternehmerische Individuum seine Fertigkeiten und sein Wissen investiert”, ein “utilitaristisches Wissensmodell” in einer “sich googlenden Gesellschaft”. So zitiert er die Macherin des diesjährig in Wien stattgefunden habenden “Blackmarket for useful knowledge and non-knowledge”, Hannah Hurtzig – wenngleich ich auf der diesbezüglichen Website eigentlich andere – und durchwegs spannendere – Themenbezüge finde.
No, und als Obershäubchen ein Marx Zitat. Muss einfach sein. Und kommt ja immer irgendwie ganz gut an, der Mann, der aufgrund der Gnade seines frühen Todes im Gegensatz zu etlichen seiner realsozialistisch mordenden Anhänger auch im 21. Jahrhundert ganz risikofrei zitierfähig geblieben ist.
Robert Misik fordert “Mehr Gleichheit, bitte” – und meint damit letztlich die “gerechtere” Verteilung des Vorhandenen. Zuviel Ungleichheit schade im Endeffekt allen – auch der “Wirtschaft”. Er wird damit zweifellos nicht meinen, dass er für sein FS Misik demnächst öffentlich-rechtliche Gebühren einzufordern gedenkt – aus dem Gerechtigkeitsaspekt heraus stünden sie ihm zweifellos zu.
Mehr Gleichheit, also. Ich meine: Jein. Misiks Schlussfolgerung ist nicht falsch, wir müssen aber mehr differenzieren, was wir denn genau gleich haben wollen und in welchen Bereichen und welchem Ausmass wir Ungleichheit bewusst zulassen. Beides gehört dann auch offen an- und ausgesprochen. Nicht nur das Zuviel an Ungleichheit schadet im Endeffekt allen, sondern pikanterweise auch zuviel Gleichheit – genau deshalb ist diese Debatte wohl auch so schwierig zu führen. Wie so oft, wenn sich Fronten dauerhaft einander gegenüberstehen, liegt das weniger an der unentrinnbaren Unversöhnlichkeit der “Guten” und Wohlmeinenden mit den unausrottbar “Bösen” und Habgierigen, sondern mehr daran, dass beide Seiten wichtige Aspekte in die Debatte einbringen und erst eine gesunde Balance zum gewünschten Erfolg führt.
Schwer zu erreichen freilich, so eine Balance, wenn ständig die “Gleichheits”- und die “Freiheits”-Verfechter auf die Wippe hüpfen und niemand da ist, der zunächst mal stehen bleibt und nachdenkt, wie so eine Wippe in der Balance zu halten wäre. Sind wir dazu verdammt, auf ewig unsanft am Boden aufzuschlagen?
Wir brauchen zweifellos eine Debatte darüber, welches Ausmass an Gleichheit, im Sinne stets realisierbarer Partizipationsmöglichkeiten wir wirklich allen zugestehen wollen und können – völlig unabhängig davon, wie gross ihr Beitrag zum “Ganzen” ist. Meine Ausgangspunkte für eine solche Debatte wären
Alle diese Aspekte lassen sich natürlich unter dem Aspekt einer allen zustehenden Menschenwürde argumentieren, sie lassen sich aber gerade auch durch die von Misik angesprochene wirtschaftliche Sinnhaftigkeit argumentieren. Hintergrund dafür ist, dass eine Gesellschaft, die – basierend auf einem gerüttelt Maß an Gleichheit – die real freie Entscheidung für oder gegen unternehmerische, marktorganisierende, selbständige Erwerbstätigkeit erlaubt, eine wirtschaftlich erstarkende Gesellschaft sein wird.
Ein verwaltungsmässig möglichst schlankes, auf wirtschaftliche Emanzipation des Individuums fokusierendes “soziales Netz” für alle nützt daher im Endeffekt tatsächlich allen, auch jenen, die die damit verknüpften Garantien nicht notwendig haben. Es erlaubt einer breiter werdenden Masse das Eingehen höherer persönlicher Risken – und genau dieses “Sich-einlassen-Können” auf Risiko ist eine unabdingbare Voraussetzung für private und gesellschaftliche Prosperität.
Die andere und ebenso wichtige Seite der Medaille: Wir brauchen ergänzend zur Gleichheitsdebatte daher ebenfalls eine Debatte darüber, welches Ausmass an Freiheit wir dann wirklich allen zugestehen wollen und können – völlig unabhängig davon, wie sie ihre Freiheiten nutzen wollen, nutzen werden und auch zu nutzen in der Lage sind. Auch Freiheit benötigt Vorhersagbarkeit, Rechtssicherheit, eine ausreichende Gewissheit, dass einem nach Betreten eines heute garantierten Freiraums dort nicht schon morgen wieder der Boden unter den Füssen weggezogen wird. Sie benötigt also ebenfalls einen Rahmen, in dem für ein modernes Verständnis von “Gemeinwesen” viel Raum wäre, ohne dass sich dieses Öffentliche und für alle Einheitliche als Antithese zum Privaten und Vielfältigen verstehen müsste, sondern vielmehr als Grundlage dafür dienen könnte.
Wenn wir auf Basis einer solchen Gleichheits- und Freiheitsdiskussion einen stetig besser werdenden gesellschaftlichen Konsens darüber erzielen können, wie schlimm ein “Scheitern in Freiheit” ausfallen kann, weil es einen gesellschaftlichen Konsens darüber gibt, dass wir ein vereinbartes Mass an Gleichheit wollen und gemeinsam tragen, dann sollte aber auch die Debatte darüber leiser werden, dass in Freiheit nicht nur Scheitern möglich ist, sondern auch fast grenzenloser “Erfolg” – auch wenn dieser individuell rein über Reichtum an finanziellen Mitteln definiert werden sollte.
Hat in einer Gesellschaft, in der es der Mitte ausgezeichnet geht und der “Absturz nach unten” nicht bodenlos ist, wirklich irgendjemand ein Problem damit, wenn die Skala wirtschaftlichen Erfolgs eine “nach obenhin” offene Skala ist? Ich habe damit kein Problem – sondern glaube vielmehr, dass wir über die falschen Dinge diskutieren. Nicht die vielzitierte “Einkommensschere” ist interessant für mich, sondern eine Stärkung der Mitte, sowie ein gutes Augenmass dafür, dass der Abstand des Minimums zum Durchschnitt niemals so gross werden darf, dass die Chance, aus eigenem Engagement wieder “nach oben” zu gelangen aufgrund real fehlender Partizipationsmöglichkeiten gegen Null sinkt.
Eine politische Umverteilungsdebatte zwischen Individuen, die vergleichbare Chancen vorgefunden haben, ein ähnliches Sicherheitsnetz in Anspruch nehmen konnten, aber mit den Konsequenzen einer unterschiedlich genutzten Freiheit nicht leben können oder wollen, eine solche Debatte hielte ich in der von mir heute skizzierten Gesellschaft dann wirklich für eine reine Neiddebatte. Und eine solche würde im Endeffekt nicht nur der so gern mit den Unternehmern identifizierten “Wirtschaft” schaden, sondern ebenfalls uns allen.
…hat große Tradition in Philosophie und Kunst. Aber nicht jede Verhöhnung ist aufklärerisch – und heikel wird es, wenn sie sich gegen die Religion der Anderen richtet.
Über die feinen Unterschiede zwischen Aufklärung und Verhetzung schreibt Robert Misik im aktuellen Profil – nachzulesen in voller Länge in seinem Blog.