Artikel-Schlagworte: „Schule“

In der Untergrundbahn.

24. März 2009 6 Kommentare

Gestern wurde ich zum Ohrenzeugen folgendes kleinen Gesprächs in einer Wiener U-Bahn. Ein junges Paar küsst einander ausgiebig.

Sie: Du weisst ja gar nicht, wie mir das schon abgegangen ist…

Er: Echt?

Sie: Naja, was anderes ist mir noch mehr abgegangen…

Ich schaue schmunzelnd in die Runde aber die Wiener blicken – wie fast üblich in solchen Situationen – alle zu Boden und tun so als hätten sie nichts gehört. Dann weiter:

Sie: Shit Freitag haben wir Prüfung in Politischer Bildung… die FPÖ ist die Freiheitliche Partei Österreichs.

Er: Echt?

Sie: Ja. Solche Sachen müssen wir da lernen! Die ÖVP ist die Österreichische …, die Österreichische … mmh … shit – vergessen.

Er hat keinen Anlass zum Schmunzeln – Prüfungsstoff zu vergessen ist ja schliesslich auch ganz normal, oder etwa nicht?

Und ich? Will da raus. Friedensbrücke. Und denke mir am Nachhauseweg nur noch, dass so betrachtet “freiheitlich” richtig cool und einprägsam klingen muss. Kann man sich ja irgendwie was vorstellen drunter…

Anmeldung zum System.

1. Mai 2008 2 Kommentare

Meine 5jährige, meine Frau und ich selbst. Gestern waren wir also gemeinsam vorstellig an der – öffentlichen – Volksschule unserer Wahl. Sogar im Bezirk ist sie, “eigentlich” sollten sie uns so gesehen ja nehmen – “eigentlich” sollten wir so gesehen diesmal ja mehr Glück haben mit der Öffentlich-Rechtlichkeit als bei der Kindergartensuche vor drei Jahren. Damals hat sich nämlich rausgestellt, dass die in den Wiener Bezirken 1 und 19 angesiedelten öffentlichen Montessori Kindergärten gemäss roter Stadtpolitik den Bezirksbewohnern vorbehalten bleiben… das hätte halt auch was mit Angebot und Nachfrage zu tun, liess man uns damals wissen.

Aha, marktwirtschaftliche Prinzipien… aber das ist ja eine ganz andere Geschichte. Kindergarten. Heute bereits: Volksschule.

Und das bedeutet heute: vorzeitiges Aufnahmeverfahren, denn man will sich nun ja schulischerseits die vor allem sprachliche Eignung verfrüht ansehen, auch wenn man anscheinend noch nicht so recht weiss, was für Konsequenzen man an die verfrühte Feststellung der Nichteignung dann knüpfen könnte. Aber man kann ja mal anklopfen bei den Eltern usw.

Der Direktor und die Lehrerinnen und Lehrer mit denen wir in Kontakt kommen: ausgezeichnet freundlich. Aber insgesamt dann doch ein irgendwie seltsames Bild: wir müssen eine geschlagene Stunde Formulare ausfüllen – alle möglichen Dinge, die grossteils nicht relevant werden, wenn sie uns dann eh nicht nehmen sollten… aber bitte alles ausfüllen. Gut, selbstverständlich. Und dann letztendlich doch zum Gespräch mit dem Direktor – und ich erwarte irgendwie, dass wir nach Hintergründen, Beweggründen gefragt werden, mit der 5jährigen gesprochen wird oder irgendwas Persönliches passiert. Aber mitnichten… Die Formulare werden geringfügig ergänzt – der Computer wird bedient.

Und abschliessend: wir bekommen dann entweder ein Schreiben, aber das wäre schlecht, denn das würde ja bedeuten, dass sie uns nicht nehmen. Oder aber wir würden dann bereits zum ersten Elternabend im November eingeladen… Noch Fragen? Wenn ja, bitte 52525 – Stadtschulrat – wir wissen auch nichts.

Das verstehe ich natürlich: wer nichts weiss, kann auch nichts sagen. Und wer nichts wissen darf, der soll vermutlich auch nichts zu sagen haben. Beim Hinausgehen kratze ich mich am Kopf: wäre da nicht irgendeine Schulreifefeststellung oder so was in der Art vorgesehen gewesen? Egal, ich weiss eh, dass sie überreif ist, meine 5-Jährige.

Und hoffentlich, hoffentlich nehmen sie uns. Denn wir wollen bitte, bitte auf jeden Fall zu jenen, die zwar nichts wissen, aber zumindest wissen wollen würden – und auf keinen Fall zu denen, die noch weniger wissen, und vor allem auch bitteschön gar nichts mehr wissen wollen…

Vielleicht gibt ja das Foto, das sie von uns dreien gemacht haben, am Ende den Ausschlag? Wir haben alle nett gelächelt… echt nett!

Fick doch die Politik.

9. April 2008 16 Kommentare

Frau Knecht berichtet unter dem knalligen Titel “Fick Deine Mutter” in ihrer wöchentlichen Falter Kolumne erleichtert, dass sie ihre Kinder in einer “kuscheligen, kleinen Schule” untergebracht hat – und Freund Bruckner empört sich über die Masche, mit der sie sich zu rechtfertigen versucht. Er hat ja nicht ganz unrecht, wenn er hier eine Fortsetzung alter, vorwiegend katholisch geprägter Tradition ortet, die Tradition des Sündigens und nachfolgenden Beichtens nämlich, eine Tradition auch, die diese Abfolge zum immerwährenden Zyklus und zu einer Art “sündigem” Normalfall erhebt – schlussendlich profitiert ja auch die die Sünden erlassende Institution von den sündigen Beichtern…

Alles in allem trifft diese Kritik an Doris Knecht aber für mich nicht den wichtigsten Punkt. Der wichtigste inhaltliche Punkt ist, dass Frau Knecht ihre Kinder trotz eines aufgrund anders gearteter politischer Überzeugung schlechten Bauchgefühls in eine Schule schickt, in der sie es ihrer Ansicht nach gut haben werden.

Ich meine: gut so. Und frage: was ist das für eine schlechte Gesellschaft, in der Frau Knecht sich befinden muss, die sie dazu animiert, eine derartig merkwürdige Rechtfertigung in alle Öffentlichkeit hinauszuschrei(b)en?

Es ist wert, sich ein wenig damit auseinanderzusetzen, denn Frau Knecht macht sich hier ja nicht ganz untypische Probleme. Diese sind mir selbst, der als politisch denkender Mensch und Vater zweier kleiner Mädchen nun auch bald vor solchen Entscheidungen steht natürlich auch schon mal durch den Kopf gegangen. Nun, ich kenne solche Gedanken zwar, aber ich muss gleich wieder einschränken: ich mache mir die Probleme nicht wirklich. Denn ich finde schon lange – und wahrlich nicht nur in diesem Bereich – dass man als Einzelperson einfach nicht alle Dinge wiedergutmachen oder “büssen” kann, die die Politik zuvor geradezu gnadenlos verbockt hat.

Ich muss nämlich mein eigenes Leben leben. Heute – hier – jetzt. Ich habe mit meinem Leben heute – hier – jetzt keinerlei Zeit darauf zu warten, bis die Politik irgendwann kapiert, wie manches vielleicht besser gehen könnte. Ich muss heute – hier – jetzt versuchen, das beste aus all dem Mist um mich herum zu machen, gemäss meinen eigenen Überzeugungen. Das bin ich, um beim Thema zu bleiben, im übrigen auch meinen Kindern schuldig: zu versuchen, die beste Wahl für sie zu treffen, wo immer sie sie selbst noch nicht treffen können. Und dazu gehört für mich im konkreten Fall sowohl, dass ich sie weder in einer rundum-heilen (und vor Geld stinkenden) Welt abriegele, noch, dass ich sie – um nur ein mich konkret betreffendes Beispiel herauszugreifen – in eine Schule schicke, in der zu 80% türkisch gesprochen wird.

Es gibt solche Schulen in unserer Umgebung und ich füge hinzu: wir wohnen gerne hier und zumindest die in unserem Haus lebenden türkischstämmigen Nachbarn kriegen schön langsam mit, dass wir zwar “Uralt-Österreicher” und “Ungläubige” sind, aber dennoch keine Unmenschen. Es dauerte aber leider wirklich Jahre (nach Jahren, in denen wir trotz intensiver Bemühungen unsererseits freundlich zu sein meist nichtmal gegrüsst oder wahrgenommen wurden). Ja, ja, ich weiss, die unterschiedlichen sozialen Voraussetzungen … usw., ich weiss, aber ich bin hier mal sehr hart und verweise schlicht auf mein persönliches Erleben und die Religion als solche (nicht eine bestimmte), die ich hauptverantwortlich dafür mache, dass Menschen ihre Mitmenschen nicht einfach so als Menschen wahrnehmen können… es ist leider tatsächlich so. Und genau so einer Umgebung werde ich aber meine Kinder sicher nicht aussetzen. Ja bin ich denn wahnsinnig? Nein, bin ich eben nicht.

Meine Frau und ich haben überhaupt keine Probleme mit “Ausländern”, aber schon gar keine. Die real existierenden Ghettos sind weder meine Schuld, noch war ich je oder bin ich aktuell für sie, ja ganz im Gegenteil. Die Folgen falscher, über Jahrzehnte verfehlter (”linker”) Stadtpolitik (zu späte Öffnung der Gemeindebauten, zu späte und zu wenige Integrationsbemühungen hinsichtlich insb. türkischstämmiger Frauen, eine gesellschaftlich weitestgehend unkritische Hinnahme menschenunwürdiger Praktiken unter dem Mäntelchen der Religionsfreiheit etc etc), ich soll sie am Ende tragen? Keine Lust, dankeschön. Und von der jahrzehntelangen Verschleppung der Einführung der Gesamtschule durch die Bundespolitik mal ganz abgesehen, ja macht sie doch endlich, dann schicke ich meine Kinder hin.

Und und und… ich scheiss auf diese Politik, mit Verlaub. Und ich kann als Einzelner sie weder ausgleichen, noch fühle ich mich verpflichtet “korrekt” zu handeln, noch werde ich meine Kinder für sie büssen lassen. Ich tue als Einzelmensch dort wo es geht – ja, aber es gibt definitiv Grenzen.

Ich habe politisch klare Positionen in all diesen Fragen. Aber ich muss und werde meine Kinder schützen. Ich schütze sie damit nämlich gerade auch vor realer Politik und ihren negativen Folgen. Und ich trage meiner Ansicht gerade damit am besten dazu bei, dass vorgezeigt wird, wie es anders geht, dass Leute mit Initiative (sei diese nun öffentlich oder privat finanziert, ganz egal), die es meiner bescheidenen Ansicht nach besser können, auch unterstützt werden, indem ich sie unterstütze und damit “wichtiger” mache, und indem last not least Kinder heranwachsen (meine Kinder), die einen realistischen Blick auf die Welt bekommen – und mal in der Lage sind, was Positives beizutragen.

Auch deshalb, weil ihnen selbst Positives widerfahren ist.

Ich verstehe Frau Knecht daher in ihrem Verhalten – ohne die Schule zu kennen, um die es sich hier dreht. Ihre Rechtfertigung halte ich aber für merkwürdig – sie zeugt für mich von mangelndem Nachdenken und im Grunde auch von mangelndem Selbstbewusstsein. Sehr bedenklich für mich, dass man sich letztlich dafür glaubt rechtfertigen zu müssen, dass man schlicht und ergreifend versucht, das unter gegebenen Umständen Beste zu tun.

Meine Kinder werden übrigens, so sie “uns” nehmen, in eine öffentliche Volkschule gehen – allerdings nicht in irgendeine, sondern eine von uns bewusst ausgesuchte. Liesse man mir am Ende allerdings tatsächlich nur die Wahl zwischen einer für mich aus welchen Gründen auch immer untragbaren Schule und einer vor Geld stinkenden Privatschule – ich würde mein letztes Hemd ausziehen und nur noch Kartoffeln essen, nur um meine Kinder dorthinzuschicken.

Und nocheinmal: das ist auch gut so.

Ein Update – irgendwie off topic – und dann doch wieder nicht: ein vielversprechender junger Grünbundesrat mit türkischem “Migrationshintergrund” und der unmittelbar folgende Broderismus-Reflex von Tom Schaffer, der für mein Empfinden nun schon so leicht auszulösen ist, dass auch absolut konstruktive Debattenbeiträge auf dieser Basis nicht mehr wahrgenommen werden können…

Risiko Lehrer

9. Januar 2008 3 Kommentare

Laut einer im Spiegel besprochenen, über zwölf Jahre hinweg durchgeführten Langzeitstudie sind es die schwächeren, tendentiell überforderten Verlegenheits-Lehramtsstudenten, die von Anfang an nicht Feuer und Flamme für den Lehrberuf sind, die später über Überforderung klagen und den Schulbetrieb belasten.

Jeder vierte Studienanfänger wähle das Lehramtsstudium nur als “Notlösung” und über die Hälfte nannte primär die Hoffnung auf ein überschaubares oder einfaches Studium in Heimatnähe, sowie den Wunsch nach einem sicheren und familienfreundlichen Arbeitsplatz als Studienmotivation.

Nicht wenige junge Lehrer entscheiden sich für den falschen Beruf – und aus den falschen Gründen: eine weitere Studie, über die der Spiegel im Oktober 2007 berichtete, stufte jeden vierten Lehramtstudenten gar als “resignativen Typ” ein.

Ist es in Österreich ganz anders? Meine höchstpersönliche Langzeitstudie lieferte mir keinerlei Indizien dafür.

My teachers and me.

3. Dezember 2007 5 Kommentare

Anlässlich der laufenden Bildungsdebatte in Österreich: ein kleines Sittenbild aus einem gymnasialen Klassenzimmer der 1980er Jahre in Wien.

Mein Klassenvorstand und Mathematiklehrer war zunächst Groupier im Casino, bevor er sich entschloss Lehrer zu werden. Beim Roulettetisch zu stehen und die Gewinne zu kalkulieren sei ein Job gewesen, in dem es sich nach seiner eigenen Definition mit relativ geringem Aufwand ein gutes Auskommen erwirtschaften liess. Lehrer zu werden war aber vor allem hinsichtlich der Gestaltungsmöglichkeiten im Bereich “Freizeit” anscheinend noch attraktiver für ihn: Vorbereitung auf die Stunden mit uns gab es bei ihm grundsätzlich nicht, und Schularbeiten wurden immer am Lehrertisch in der Klasse verbessert, während wir uns nach Gutdünken anderweitig beschäftigt haben – mit vielen Dingen, jedenfalls sicher nicht mit Mathematik. Da sein Unterricht eine formal-minimalistische Abhandlung des “Stoffes” war, zerfiel die Klasse hinsichtlich Mathematik einfach in zwei Gruppen: Jene wenigen, die sie quasi “von selbst” verstanden – und jene vielen, die sich das Durchkommen per Nachhilfeunterricht erkaufen mussten. “Gelernt” im eigentlichen Sinn haben wir bei diesem Lehrer gar nichts.

In Deutsch haben wir hauptsächlich aus seltsamen Lesebüchern laut vorgelesen, Rechtschreib- oder Grammatikfehler machte ich seit jeher kaum welche, darüberhinaus “gelernt” – zB in stilistischer Hinsicht – habe ich so gut wie nichts. Als ich mich in der Oberstufe zu einem Literatur-Vertiefungsfach anmelden wollte, gab mir die Lehrerin zu verstehen, das sollte ich besser bleiben lassen, denn sie wollte eigentlich verhindern, dass das Fach zustandekommen könnte – was ihr auch gelang.

Hinsichtlich Englisch fand ich besonders auffallend, dass wir meistens Deutsch gesprochen haben und die Beschäftigung mit der Fremdsprache selbst vorwiegend auf schriftlichen Ausfüllübungen fusste – gelernt habe ich Englisch mittlerweile zwar gut, unmittelbar nach dem Gymnasium waren meine praktischen Fähigkeiten aber in Relation zum zeitlichen Aufwand schlicht und einfach katastrophal.

Geschichte bestand bei uns darin, dass buchstäblich tausende vom Lehrer vor etlichen Dienstjahren in der Stunde handschriftlich geschriebene Folien mit dem “Overhead”-Projektor an die Wand geworfen wurden – wir mussten abschreiben – das Tempo diktierte der Lehrplan – inhaltlich diskutiert oder besprochen wurde so gut wie nichts.

Geographie genossen wir bei einem weitgereisten Single, von dem sich inhaltlich und auch menschlich das eine oder andere lernen liess – er war sicherlich ein Mann, welcher allein deshalb Lehrer wurde, um ausreichend freie Zeiten für seine Fernreisen in alle Welt zu haben – und dennoch einer unserer wenigen Lichtblicke.

Physik war unendlich langweilig. Ich interessierte mich brennend dafür, stellte aber schon bald keine Fragen mehr, weil ich von unserer Lehrerin keinerlei brauchbare Antworten bekam. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass sie rein menschlich betrachtet eigentlich sehr in Ordnung war.

Unser Chemielehrer war ein kurz vor der Pensionierung stehender Maniac, bei dem Begeisterung für das Fach dann spürbar wurde, wenn er kleine Sprengungen vorführen durfte – das war natürlich amüsant für uns – allein, aus welchen chemischen Zusammenhängen heraus es bei ihm regelmässig “Booom” machte wusste keiner von uns so recht.

Mein Musik-”unterricht” sah so aus, dass jede Stunde ein Zettel reihum ging, auf den wir unsere liebsten Hits notieren durften, diese wurden dann in der jeweils folgenden Stunde abgespielt, denn der Lehrer hatte eine riesige Plattensammlung – all das aber nicht etwa zur Auflockerung oder Ergänzung, sondern ausschliesslich und durch viele Jahre hindurch…

Werken durften wir bei einem Haudegen der alten Schule, welcher all jene Werke, die seinen gestrengen Anforderungen nicht genügten vor den Augen der versammelten Klasse im wahrsten Sinn des Wortes physisch zerstörte.

In Turnen bekamen wir immer drei Basketbälle hingeschmissen und sahen den Lehrer regelmässig die ganze Stunde lang nicht weiter. Er musste sich wohl auf seine anderen Fächer vorbereiten.

Hinsichtlich Informatik – als Unterrichtsfach zu meiner Zeit noch in den Kinderschuhen – ist mir besonders lebhaft in Erinnerung, dass wir von einer Dame unterrichtet wurden, die ich aus heutiger Sicht als sozial auffällig bezeichnen würde und die sich besonders dadurch auszeichnete, dass sie auf keinerlei Fragen antwortete, die auf irgendein Fakt Bezug nahmen, das sie bereits ein einziges Mal erwähnt hatte: “Das habe ich bereits gesagt. Hättest Du besser zugehört.” Fragen wurden dann eh kaum mehr gestellt, verstanden wurde aber auch nichts.

Unsere Religionsstunden verbrachten wir zu praktisch 100% damit, unserem Frust über den restlichen Unterricht Ausdruck zu verleihen – der Lehrer war ein feinfühliger Mann und er sah, dass er uns am besten dienen konnte, indem er seine Stunde zu einer Art Gruppentherapie umfunktionierte.

Wir hatten meiner Ansicht eine wirklich nette und engagierte Biologielehrerin. Wir haben viel gelernt bei ihr, bekamen Anschauungsmaterial, durften durch Mikroskope sehen und hatten auch einiges an Spass dabei.

Vielleicht habe ich durch sie und ihren Unterricht auch begriffen, woran es in unserem Schulsystem in allererster Linie krankt. An einem Phänomen nämlich, welches man gemeinhin mit dem Begriff der Negativen Auslese umschreibt. Wer wird bei uns vom Lehrerberuf angezogen und warum? Welche Methoden werden angewandt, um die Eignung festzustellen? Welche Mechanismen gibt es, um schlechte Personalauswahlentscheidungen rasch wieder korrigieren zu können?

Sind meine Erfahrungen “repräsentativ”? Natürlich nicht, sie sind aber eben auch nicht “zufällig”, sondern im Rahmen dessen, was einem Wiener Gymnasiasten an “Losglück” hinsichtlich seiner Lehrer durchaus realistisch so alles blühen kann.

Betonen möchte ich zum Abschluss, dass ich mit diesem kleinen persönlichen Erfahrungsbericht – der in keiner Weise Effekthascherei betreibt oder überzeichnet, sondern leider schlicht und einfach wahr ist – ganz sicher niemanden verletzen möchte, der in unserem Schulbetrieb versucht sein Bestes zu geben. Ich weiss, dass es solche Leute dort gibt…