Artikel-Schlagworte: „Wahlen“

«|»

Heute Nacht.

4. November 2008 5 Kommentare

Heute Nacht wird Geschichte geschrieben.

Man schreckt instinktiv davor zurück, zu solch “pathetischer” und mit hoher Wahrscheinlichkeit überzogener Wortwahl zu greifen. Man sollte sowas auch eigentlich überhaupt nicht – oder wenn dann wirklich nur ganz, ganz selten tun. Doch man sollte auch nicht anstehen, solche Worte auszusprechen bzw. niederzuschreiben, wenn man tatsächlich den Eindruck hat, dass die Möglichkeit einer Zeitenwende historischer Dimension förmlich zu greifen ist.

Und ich möchte daran glauben und sage daher auch einfach mal, ich glaube daran: der 4. November 2008 hat das Potential als markantes symbolisches Wendedatum in die Geschichte des frühen 21. Jahrhunderts einzugehen. Wenn man acht Jahre nach der Wahl 2000 ohne jeden Zweifel analysieren kann, dass die Welt heute anders – und ja: besser – aussähe, wäre damals Al Gore zum US Präsidenten gewählt worden – dann hat sich die Wahrscheinlichkeit dafür, heute eine mindest ebenso historische Entscheidung zu erleben nach eben diesen acht Jahren George Bush ebenso ohne jeden Zweifel nocheinmal dramatisch erhöht.

Barack_Michelle

Obama, und ich möchte daran glauben und sage daher auch einfach nochmal, ich glaube auch daran, er wird morgen früh der gewählte 44. US-Präsident sein, wird es zweifellos sehr schwer haben, auch nur einen Teil der Hoffnungen, die in ihn gesetzt werden, zu erfüllen. Aber er kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Und er ist die Art von Persönlichkeit, die ein Gespür für den “richtigen Augenblick” hat: er weiss um “seine” Chance.

Amerika erwartet einen Präsidenten, der dem Land seinen Traum wieder zurückgibt. Dazu wird es notwendig werden, eine Aufräumarbeit zu leisten, die jener der Aufarbeitung der aus grundrechtlicher Sicht ebenfalls sehr schwarzen “McCarthy Ära” in nichts nachstehen wird. Die nicht zur Mitabstimmung berechtigte “restliche Welt” aber wartet heute auf eine Persönlichkeit, die für ausgewogene politische Werte steht und das Potential hat, zu einigen mehr als wichtigen globalen Weichenstellungen in den Bereichen Armut, Entwicklung, Umwelt zu inspirieren.

Dear americans, it really was fucking difficult with you, lately. Today you have the chance that we just start all over again, ok? So please: don’t mess it up.

Nur mal angenommen…

29. September 2008 2 Kommentare

… es kommt gar keine Koalition zustande und UHBP Fischer ernennt Dichand Faymann zum neuen Kanzler der Republik und dieser bildet eine Minderheitsregierung aus Sozialdemokraten, vielleicht erweitert um einige Experten und/oder in der Öffentlichkeit angesehene Persönlichkeiten.

Wer unterstützt stürzt denn dann eine solche Minderheitsregierung? Fassen wir mal zusammen: eine solche rote Minderheitsregierung überlebt immer dann, wenn bei einem parlamentarischen Misstrauensvotum gegen sie entweder

  • die ÖVP gerade keine Neuwahl will und nicht mitmacht, oder
  • die FPÖ gerade keine Neuwahl will und nicht mitmacht, oder
  • die Grünen und das BZÖ gerade keine Neuwahl wollen und nicht mitmachen.

Das müsste doch eine gute Zeit zu schaffen sein, Herr Faymann, oder? Zumal Sie ja zudem die Unterstützung nicht nur unseres geschätzten republikanischen Herrn Bundespräsidenten, sondern auch jene der Krone selbst geniessen…

Und wenn Sie es eine schöne Zeitlang schaffen und dabei eine ganze Menge weiterbringen in dieser Republik, dann winkt Ihnen die ganz grosse Belohnung: die SPÖ wird die einzige Grosspartei in Österreich – und das vielleicht für zehn, zwanzig Jahre.

PS: Übrigens, so extrem rechtbehalten wollte ich mit Politik ist brandgefährlich nun auch wieder nicht. Stärken Sie die Grundrechte, Herr Faymann, und verschaffen Sie dem Verfassungsgericht wieder Respekt. Beschränken Sie Ihre eigene Macht. Rechtzeitig. Denn irgendwas Unvorhergesehenes kann immer in die Hose gehen.

Meine Wahl08…

26. September 2008 2 Kommentare

… soll im Sinn des von Feuerhaken gestarteten Endorsement 08 auch kein Geheimnis bleiben. Ich entscheide mich für

diesmal-lifendorsement-08
Leider fehlt mir in einem für mich extrem stressigen September zwar einfach die Zeit, dies ähnlich ausführlich wie die Kolleginnen und Kollegen Feuerhaken, Helge, Oliver Ritter, the flowers are gone, Neitschy – lateral thinker, Lothar Ruttner, Zwischenrufer, Tom Schaffer, Tyndra, Flaneur, Rigardi, Kellerabteil, Andreas Lindinger und Franz Joseph zu begründen, aber was solls: That’s just my decision, stupid. (Linklist via)

Man muss ja auch nicht immer so schwafeln wie in Es reicht. Diesmal Grün, mit dem ich zu Beginn des Wahlkampfs in den von Christoph Chorherr initiierten grünen Blogstorm gestolpert bin und meinen Dampf abgelassen hab, der es dann in der von Jutta Reichenpfader illustrierten Form bis in die Abendnachrichten des mit Abstand besten ORF Journalisten geschafft hat.

Das hat Spass gemacht. Noch mehr Spass gemacht hat aber unterm Strich, dass es Heide Schmidt mit einem personell erneuerten und dicht aufgestellten Liberalen Forum heuer nocheinmal wissen will. Wissen will nämlich, ob es trotz heftigem Gegenwind vielleicht doch möglich ist, in diesem Land eine ungeteilt und im besten und menschenfreundlichsten Sinn des Wortes “liberale” Kraft zu positionieren. Es ist die vermutlich für lange Zeit wirklich letzte Chance dafür.

Übrigens: Ginge es nach der Meinung der geschätzten oben genannten Blogger und mir, dann würde es derzeit gar keine Partei ausser den Liberalen und den Grünen ins österreichische Parlament schaffen. Ich würde in so einem Österreich trotzdem dabei bleiben und den Damen und Herren von Rot, Schwarz, Blau und Orange dann gerne und “generös” die 4%-Hürde abschaffen wollen.

Denn ich finde, wirklich jeder sollte in diesem Land seine Chance haben. Und damit ist es mir vollkommen ernst.

Politik ist brandgefährlich.

21. September 2008 3 Kommentare

Wir stehen eine Woche vor der österreichischen Nationalratswahl. Aller Voraussicht nach wird diesmal – um mit den legendär gewordenen Worten des Ex-ORF-Wahlabend-Moderators Josef Broukal zu sprechen – tatsächlich “kein Stein auf dem anderen bleiben”.

Noch beschäftigen sich viele von uns netten Citizens mit Fragen wie jenen, ob sie diesmal vielleicht (nochmal) grün oder vielleicht doch (wieder) liberal wählen sollten, ob Alex Zach also vielleicht ein Lump ist oder doch nur ein bissl ein Tolpatsch, ob Hans-Peter Haselsteiner der superreiche Teufel persönlich ist oder vielleicht doch ein zu verehrender Retter von allem noch irgendwie Anständigen in Österreich (inklusive Ute Bock), ob Peter Pilz ein über Leichen gehender Vernaderer und grüner Westentaschen-Haider ist oder doch der unverzichtbare Aufdecker der Nation, und ob die Grünen nun “nachhaltig” aufwachen oder doch nach dem Wahltag wieder wie vielfach erprobt für sichere vier, nein diesmal sogar fünf Jahre entschlummern werden, drohender Klimakollaps quasi hin oder her…

Mit jener grässlich hässlich aus dem TV grinsenden Realität des kommenden Wahlsonntags wollen wir uns freilich noch nicht so recht auseinandersetzen. So sehr wir uns vielleicht wünschen, dass die Liberalen “reinkommen” und die Grünen “zulegen”, selbst wenn es so kommt und beides klappt, wird ebenso sicher beides nicht das entscheidende Ereignis des kommenden Sonntags werden. Kommenden Sonntag steigen gemäss allen Umfragen in Österreich zwei ehemalige Grossparteien zu Mittelparteien ab, wohingegen ein nach mehreren Abspaltungen vom nach dem grossen braunen Krieg gebildeten Sammelbecken österreichischer “Parteimitglieder” übergebliebener Haufen mehr oder weniger offen rechtsradikaler Angehöriger der “Kinder- und Enkelgeneration” voraussichtlich zu einer Mittelpartei aufsteigt. Zusammen mit dem gegenüber der Strache-FPÖ fast schon wohltuend wirkenden, aber im Grunde nicht viel weniger grässlich hässlichen Haider-BZÖ wird das “Dritte Lager” in Österreich zur dritten massiv mitbestimmenden Kraft werden.

Also auf in die “Dritte Republik”? Raus aus der EU, wider die Globalisierung, alle Schotten dicht: Asylbetrug heisst Heimatflug. Wen wir nicht gleich loswerden, der kommt vorerst mal ins Ghetto der Sozialversicherung für Ausländer, Juden, Neger, etc. Dann schauen wir weiter.

Niemand wird an ihnen vorbeikommen. Wir stehen wieder dort, wo wir 1999 schon mal waren. Nein, schlimmer. Denn Haider wollte im Grunde vor allem anderen das rot-schwarze “System” liquidieren – und er gründete das BZÖ auch deshalb, weil er mit den krassesten Bierbestellern und Paintballspielern nicht mehr wollte oder konnte… Und wir stehen somit auch nicht gar so weit weg von dort wo Deutschland 1932 war. Auch wenn man das nicht so wahrhaben will. Und man soll auch gar nicht versuchen, solche Entwicklungen “verstehen” zu wollen.

Denn sie finden dann nämlich einfach statt. Erst Schritt für Schritt. Und dann, wenn niemand mehr schreit Ermächtigungsgesetze und geht schon. Wollt ihr den totalen Krieg? Muss “nur” eine gröbere Weltwirtschaftskrise dazukommen, muss “nur” die Arbeitslosigkeit ein bissl weiter raufgehen, muss “nur” die Inflation ein bissl mehr ins galoppieren kommen… moment Mal… Weltwirtschaftskrise? Jobverlust? Teuerung? Kommt uns das irgendwie bekannt vor? Aber haben vielleicht wenigstens die Amis ihre Lektion aus dem Blutzoll der Vätergenerationen besser gelernt als wir hochnäsig-naiven Antiamerikaner in Europa? Man könnte ja aktuell fast meinen, es besteht noch Hoffnung jenseits des Atlantik, wenn nun die Erzrepublikaner im Oval Office runde 1000 Milliarden (1.000.000.000.000) Dollar Steuergeld in die Hand nehmen werden, in etwa das Doppelte des gesamten bisherigen Irak Krieg Budgets, um das Gespenst der sich nach dem schwarzen Freitag von 1929 abwärts drehenden Weltwirschaftsspirale mit grobem Beil gleich beim ersten Vorbeihuschen zu köpfen… sie wissen offenbar, warum sie lieber jetzt gleich zahlen sollten.

Wenn sich die Geschichte wiederholt, was wir alle nicht hoffen, daher sagen wir besser so: wenn die Wiederholbarkeit der Geschichte an die Tür klopft, dann werden wir alle wieder daran erinnert, dass Politik tatsächlich vor allem anderen eines ist: brandgefährlich. Es ist die süsseste Verlockung des politischen Menschen, des von gesellschaftlichem Aufbruch verzückbaren Demokraten, dass er sich ausmalt, was alles mögliche wäre mit dieser demokratisch legitimierten Allmacht, wenn man nur, ja, wenn man “nur” eine Mehrheit der Dumpfbacken von all dem Guten, Edlen, Schönen, was man sich da so erträumt, überzeugen könnte…

Aber nix da. Schon Winston Churchill wusste bekanntlich zu witzeln, dass Demokratie eigentlich “die schlechteste aller Regierungsformen” sei, wir nur eben keine bessere kennen. Und Karl Popper hat das in seiner “Offenen Gesellschaft” systematisch beschrieben: das Beste, das wir uns von der (von ihm vehement vertretenen) Demokratie erwarten dürfen, sei nicht etwa, dass hier richtige oder gute Entscheidungen fallen, sondern lediglich, dass ganz krasse Fehlentwicklungen, solche die wirklich förmlich für jeden augenfällig werden “unblutig beendet” werden könnten. Dass es eine institutionalisierte Chance drauf gibt, Änderungen des offenkundig Falschen ohne jahrzehntelange Knechtschaft, ohne todbringende Revolutionen, ohne Tyrannenmorde herbeiführen zu können. Schon deshalb – und eigentlich aber auch nur deshalb – müsse man leidenschaftlicher Demokrat sein. Alles andere sei aber dann eher dem Zufall überlassen – ich fasse ihn hier sehr frei und aus dem Kopf zusammen – wobei die in einer Demokratie in normalen Zeiten eher zufällig und grundlos wechselnden Mehrheiten dem grossen Ganzen natürlich so abträglich nicht seien: Viele verschiedene blinde Hühner finden sozusagen manchmal irgendein Korn und die nachfolgenden blinden Hühner machen nicht immer alles was möglicherweise richtig gewesen sein könnte gleich wieder rückgängig… auch das also ein grosses Plus der Demokratie… solange es sie eben gibt.

Und obwohl das leider keine Selbstverständlichkeit ist, rufen die vielen, die bei uns scheinbar die einfachsten Lektionen nicht zu lernen imstande sind, nun wieder verstärkt nach dem starken Staat. Und das sind beileibe nicht nur die Ewiggestrigen, nein, gerade auch die aufrechten Demokraten, die Grundguten wollen ihn wieder. Er soll es richten, man muss doch “nur”… genau “nur”: daran scheiterts dann.

Ich will ihn nicht. Ich will ihn einschränken, stutzen, denn ich will ihn gerade damit absichern. Ich will starke Menschen-, Grund- und Freiheitsrechte und starke, unabhängige, ja staatliche, Institutionen, die dafür sorgen, dass der Wille der Mehrheit nicht zur Mehrheitswillkür, nicht zur Mehrheitsdiktatur wird. Denn genau das darf eine liberale, auf die Sicherstellung und Wahrung unserer seit ein paar Jahrzehnten “freien” Gesellschaften zielende Demokratie niemals sein. Der starke Staat, selbst wenn er uns heute, hier und jetzt wirklich kurzfristig nützen sollte war immer schon die Basis auf der der nächste Tyrann seine Tyrannei aufbauen konnte. Und bei uns in Österreich grinsen sie heute schon aus den Fernsehern. Noch können wir wegzappen.

Es muss grosse Bereiche geben, in die nicht reingepfuscht wird. Von niemandem. Auch nicht von irgendeiner Mehrheit. Das ist für mich die Hauptlektion, die wir lernen müssen. Und die impliziert dann aber auch, dass wir uns vom allzu heftigen Träumen von staatlichen oder superstaatlichen, am grünen Tisch oder Reissbrett entworfenen Lösungen für unsere aktuellen Probleme sukzessive verabschieden müssen. Die mit starken Staaten verbundenen Gefahren sind schlicht zu gross.

Vor allem aber: es wird die ersehnten Reissbrett-Lösungen so ohnehin nicht geben. Was eben nicht heisst, dass es keine Lösungen geben wird. Lösungen entstehen durch Innovation ganz Weniger und massenhafter Nachahmung ganz Vieler. Das ist es, was wir aus der Beobachtung der uns hoffentlich noch lange beherbergenden Natur in erster Linie lernen könnten… das ist es, worauf wir in erster Linie vertrauen müssen, das ist es, was wir – so irgendein politisches Huhn mal ein Korn findet – stärken sollten.

Die Hoffnung darauf stirbt dann bekanntlich zuletzt. Auch meine.

How Would Jesus Vote?

26. Februar 2008 1 Kommentar

Sie wollens definitiv wissen heuer, die US-Demokraten: “How Would Jesus Vote?” fragt die Washington Post und hat auch eine evangelikale Antwort zur Hand.

Liberal, of course.